: Ein Herz für Gelddrucker
Bareshersteller drückt zum Fest auf Tränendrüse
Für Karl Marx, um den größten Geldkritiker aller Zeiten herbeizuzitieren, war Bargeld eine Stellvertreterware, die den Gegensatz von Arm und Reich verschärft und das Hässliche schön oder das Schlechte gut erscheinen lässt. Ganz anders sieht das naturgemäß der Münchner Bargeldhersteller Giesecke+Devrient, der kurz vor Weihnachten allen Ernstes eine Pressemitteilung in die festliche Welt hinaus sandte. Fast schon verheult, wehrt sich das „Unternehmen für Lösungen im Bereich Bargeld und Währungen“ gegen die wachsende Digitalbezahlerei: „Digital ist praktisch, aber Weihnachten braucht Bargeld.“ Die sich sonst aus Sicherheitsgründen gern bedeckt haltende Firma drückt zum Fest öffentlich auf die Tränendrüse: „Gerade in der Weihnachtszeit zeigt sich: Bargeld ist mehr als nur ein Zahlungsmittel. Es steht für Verlässlichkeit, Tradition und Teilhabe – Werte, die in einer zunehmend digitalen Welt nicht verloren gehen dürfen. Denn manche Rituale, Überraschungen und kleine Gesten funktionieren einfach besser mit Scheinen und Münzen.“ Zum Beispiel, wenn man ein paar Münzen Braungeld in einen Bettlerhut wirft? Wo bleibt die Aktion „Ein Herz für Giesecke+Devrient“? Der arme Gelddrucker als Werte-Verteidiger für ein „besseres Gefühl“. Marx hätte sich karlig gelacht.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen