Druck auf kenianische Blumenplantagen: Faire Rosen trotz Unruhen

In Kenia bedrohen Unruhen auch die Produktion fair gehandelter Rosen. Um marktfähig zu bleiben, wird vor dem Valentinstag rund um die Uhr gearbeitet.

"Fair" verbessert das Image von Blumenbetrieben. Bild: reuters

NAIROBI/BERLIN Die "Grandprix" sticht ins Auge: der Kopf dunkelrot, der Stil einen Meter lang. "Für den Valentinstag ist diese Rose etwas ganz Besonderes", sagt Heike Damerius. Alle zwei Tage fährt die Floristin zum Großmarkt, um für ihren Laden in der Berliner Friedrichstraße Blumen zu besorgen. "Ich schaue, aus welchem Land sie importiert und ob sie sozialverträglich produziert wurden." Schließlich wollten auch immer mehr Kunden wissen, woher die Rosen, Tulpen und Narzissen kommen und unter welchen Bedingungen sie gezogen wurden.

Für Floristen wie Produzenten ist Valentin neben dem Muttertag der wichtigste Tag im Jahr: Die deutschen Blumenhändler machen im Schnitt dreimal so viel Umsatz wie sonst.

Die meisten deutschen Importe werden in Holland, Ecuador und Kenia gezüchtet. Kenia zieht für diesen Tag ein Drittel seiner Jahresproduktion. Nach Tourismus und Tee sind Blumen wichtigster Devisenbringer.

Dieses Jahr werden viele kenianische Blumenzüchter vom Valentinstag allerdings weniger profitieren als sonst: Ende Januar erreichten die Unruhen im Land auch Naivasha, keine hundert Kilometer von Nairobi entfernt. Dort gibt es die meisten Blumenfarmen. In der Stadt leben vor allem Kikuyu, das Volk Präsident Mwai Kibakis. Auf den Blumenplantagen arbeiten aber vor allem Luo, Unterstützer von Oppositionsführer Raila Odinga. Diesmal griffen vor allem Kikuyu Luo an, Dutzende Menschen wurden getötet oder vertrieben. Von den 30.000 Blumenarbeitern packten 8.000 ihre Sachen und flüchteten.

Um dennoch möglichst viele Rosen für Valentin schneiden zu können, waren die verbliebenen Arbeiter rund um die Uhr im Einsatz. "Wir dürfen unsere Absatzmärkte nicht verlieren", sagt Jane Ngige vom Unternehmensverband Kenianischer Blumenrat.

Punkten will Kenia auch damit, dass für seine Blumenexporte Regeln gelten: Nur mit einem Zertifikat des Verbands dürfen Blumen exportiert werden. Die Auszeichnungen sind in "Gold", "Silber" und "Bronze" unterteilt. Sie zeigen, welche Löhne den Arbeitern gezahlt werden und womit gespritzt wird.

Manche Farmen lassen sich zusätzlich mit dem FLP-Siegel zertifizieren. Das internationale Flower-Label-Programm wurde 1998 von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Kirchen, Produzenten und Händlern gegründet. Das Siegel erhält, wer Arbeiter vor Chemikalieneinsatz ausreichend schützt, keine hochgiftigen Spritzmittel einsetzt und Betriebsräte zulässt.

Die Produzenten erhalten dafür von den Importeuren aber keinen fixen Zuschlag. "Wir finden, dass Dinge wie Gewerkschaftsfreiheit selbstverständlich sein sollten", sagt FLP-Geschäftsführerin Silke Peters. "Für die Blumenbetriebe verbessert FLP das Image, und das schafft einen Wettbewerbsvorteil."

Anders beim Verein "Fairtrade": Deren Farmen erhalten einen fixen Mehrpreis. Arbeiter und Management entscheiden anschließend gemeinsam, wie die Prämien verwendet werden sollen. Fairtrade-Rosen gibt es - anderes als FLP-Blumen - vor allem in Supermärkten: abgepackt und mit Label versehen.

Auf der Ladentür von Floristin Damerius weist ein Sticker darauf hin, dass es hier FLP-Blumen zu kaufen gibt. "Ich erinnere mich gut an meine Ausbildungszeit", sagt sie. "Da wurden Rosen noch geschwefelt. Wenn man den ganzen Tag damit arbeitete, hatte man am Abend Ausschlag." Auch deshalb ist Damerius eine umwelt- und sozialverträgliche Produktion wichtig. Hinter ihr leuchtet nicht nur die "Grandprix" aus Holland. Zarter lugen Köpfe der rosafarbenen "Esperanza" hervor - "fair" aus Kenia.

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