NEU IM KINO : Diese Woche frisch
Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben Wenn man im Kino etwas akzeptiert, was naturwissenschaftlichen Gesetzen zuwiderläuft, spricht man von „suspension of disbelief“, dem Aussetzen der Ungläubigkeit. Der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul bringt sein Publikum in seinem jüngsten, in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“ immer wieder dazu, die Ungläubigkeit aufzugeben, und er tut dies auf eine Weise, dass man sie bereitwillig, ja, gierig aufgibt. Zugleich schaut er den Figuren zu, wie sie zögern, bevor sie sich den neuen, übernatürlichen Gegebenheiten dann doch mit großer Selbstverständlichkeit überlassen. So spricht der todkranke Boonmee mit seiner bereits toten Frau, die ihm als Geist erschienen ist, über das Sterben. Man sieht und hört das und denkt in keinem Augenblick: Was ein Unsinn, eine Tote, die mit einem Lebenden spricht. Man sieht und hört es und denkt: Was ein wunderbarer Trost, mit jemandem zu reden, der die Erfahrung zu sterben gemacht hat, der bereit ist, diese Erfahrung zu teilen und überdies noch eine den Tod überdauernde Beziehung in Aussicht stellt. Babylon, Hackesche Höfe, Kant