Die Wochenvorschau für Berlin: Es geht in jeder Hinsicht aufwärts

Die Inzidenzen steigen, Lockerungen gibt es trotzdem: Einige Theater proben die Wiedereröffnung, die Schulen öffnen sich weiter. Frühling wird's auch.

Ein neuer Corona-Frühling, die Krokusse blühen zum Glück trotzdem Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Matthias Bein

Es ist schon ein bisschen widersprüchlich: Just in dem Moment, in dem die Inzidenzzahlen und R-Werte in Berlin aber auch bundesweit wieder hochgehen und alle Welt von der dritten Welle spricht, beschließt die Politik die Lockerung des Lockdowns. Aber wer will sich anmaßen, es besser zu wissen als unsere Volksvertreter? Zumal wir uns, Hand aufs Herz, kaum etwas sehnlicher wünschen, als endlich der häuslichen Tristesse entkommen zu dürfen und etwas anderes unternehmen zu können als Spaziergänge. Wofür lebt man schließlich in der (Haupt-)Stadt?

Und so öffnen in dieser Woche die ersten Kulturtempel für ein „Pilotprojekt“. Diesen Montag beginnt der Vorverkauf für „Panikherz“ von Benjamin Stuckrad-Barre im Berliner Ensemble (BE), die Aufführungen sind am Freitag und Samstag. Ein Ticket zu bekommen, dürfte zwar noch schwieriger sein als einen Impftermin, aber einen Versuch ist es sicher wert. Zumindest liest sich Stuckrad-Barres Udo-Lindenberg-Koks-Wahn ja sehr amüsant. Am Samstag spielen auch die Berliner Philharmoniker, das Konzert ist aber bereits ausverkauft. Vielleicht haben Sie mehr Glück in einem der Museen auf der Museumsinsel, die am Dienstag ihre Pforten öffnen? Zeitfenster-Tickets kann man online buchen untershop.smb.museum.

Auch die Schulen in Berlin öffnen sich weiter: Ab diesem Montag dürfen die Oberstufenschüler der Klassen 11 bis 13 wieder kommen. Allerdings ist man in Berlin noch nicht so weit wie in Brandenburg, wo ab heute Schü­le­r*in­nen und Leh­re­r*in­nen kostenlos Corona-Schnelltests machen dürfen – so wurde es jedenfalls von der Landesregierung angekündigt. Mal gucken, ob das klappt. Schü­le­r*in­nen in Berlin müssen dafür ab sofort im Unterricht FFP2- oder medizinische Masken tragen – die zu Beginn der Pandemie allerorten selbst genähten Stoffmasken haben damit wohl endgültig ausgedient.

Heiß werden unter der Maske könnte es diesen Montag auch den Abgeordneten im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Die taz am wochenende hatte berichtet, dass mehrere Frauen dem Intendanten der Volksbühne, Klaus Dörr, sexuell übergriffiges Verhalten und Machtmissbrauch vorwerfen. Insgesamt zehn Frauen hatten sich im Januar mit einer Beschwerde an die Berliner Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt (Themis) gewandt, die im Gefolge der #MeToo-Debatte gegründet worden war.

Me-too an der Volksbühne

Bei den Vorwürfen geht es unter anderem um anzügliche Witze und sexistische Sprüche bis hin zu Upskirting, also heimliches Fotografieren unter den Rock, und verbale Einschüchterung. Dörr nannte die Anschuldigungen gegenüber der taz „halt- und substanzlos“ und schaltete einen Anwalt ein. Die Senatsverwaltung von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) wusste von der Sache und hat Dörr dazu bereits angehört. Was dabei herauskam und wie es in der Sache weitergeht, wird Lederer nun wohl erklären müssen.

Zum Schluss noch zwei angenehmere Termine. Am Donnerstag ist wieder mal der 18. März, was ja, wie jedes Kind weiß, ein besonderes Datum in Berlin ist, weil in der Nacht vom 18. auf den 19. März 1848 die Barrikadenkämpfe gegen den preußischen Absolutismus ihren Höhepunkt erreichten. An diese Berliner Kämpfe im Zuge der Märzrevolution erinnert seit dem Jahr 2000 ein Platz, nämlich der hinter (oder vor) dem Brandenburger Tor. Auf selbigem findet ab 15 Uhr eine Kundgebung statt, Moderator der Veranstaltung ist Volker Schröder, Gründer der Aktion 18. März und unermüdlicher Streiter für das Gedenken an diesen Tag.

Am Samstag geht es dann hoffentlich endgültig bergauf mit uns und allem: Der Frühling startet ganz offiziell und kalendarisch. Zwar hat das die Wetter-App der Autorin noch nicht mitbekommen, die für das Wochenende unverdrossen wenig Sonne und nächtliche Minusgrade prophezeit. Aber man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Und Propheten sind ja ohnehin so was von vorgestern.

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