Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Im Gegensatz zur SPD vermeidet es die Union, sich in eine Vielzahl von Strömungen zu zerlegen, meint Friedrich Küppersbusch. Das schaffe nicht mal Ministerpräsident Koch.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Niemand kam auf die Idee, "verboten" gegen Honorar "Tagesschau" zu benennen für einen Tag.

Was wird besser in dieser?

Biete mein heutiges Honorar dafür.

Die CDU wird zunehmend zur Partei der Flipflopper. An einem Tag kritisiert einer, sagen wir Ole von Beust, Roland Kochs rechtspopulistische Kampagnen, tags drauf will er es nicht so gemeint haben. Was ist los in der Union?

Die Union vermeidet eine Zerlegung ihrer selbst in Lehrer-, Öko- und Gewerkschaftsunion, wie es umgekehrt der SPD auf ihrem Feldzug "Jedem Deutschen eine eigene Sozialdemokratie" vorbildlich gelingt. Einzelne, auch haarsträubend gegensätzliche Positionen widersprechen eventuellen Grundwerten vor allem dann nicht, wenn man keine hat. Die CDU hat schon in ihren ältesten Programmen - etwa dem Ahlener - so ziemlich alles versammelt, was nicht zusammenpasst. Aus diesem lustigen Würgzeugkoffer bedient sich der wahlkämpfende Christdemokrat bis heute. Stellt man sich CDU als ein Franchise vor - allerdings wesentlich liberaler als McDonalds -, kommts wieder hin.

Roland Koch meint, er habe die CDU-Wähler irritiert und am Wahlabend an Rücktritt gedacht. Warum macht er es nicht?

Das unverdiente Koch-Ergebnis war das von 2003, wo viele im Bund abkotzten über die Unfähigkeit von Rot-Grün und nachgerade an Schuldgefühlen litten gegenüber der guten alten Kohl-Partei. Koch bekam damals zwölf Prozent zu viel, nicht diesmal ebenjene zu wenig. Dass er sich nun nicht traut, auf - in der Tat vor allem: sein - Verdienst hinzuweisen, die Rechtsextremen brutalstmöglich niedrig gehalten zuhaben, zeigt, dass er sich als Mann der Mitte sehen will. Das ist allerdings ein Irrtum.

Alle Parteien entdecken die unmöglichen Koalitionsmöglichkeiten des Fünfparteiensystems. Wird sich das in den kommenden Wochen ändern?

Nein, Kurt Beck kann habituell nur eine dicke oder eine spießige Sache darstellen, also eine große oder eine schwarz-gelbe Koalition. Nach einem ersten Schritt auf die Linkspartei zu, und das weiß Beck, hieße der dritte oder vierte Schritt, Wowereit die Kanzlerkandidatur zu überlassen. Vermutlich ist es also angezeigt, von einem stabilisierten Fünfparteiensystem zu sprechen, weil die SPD keine beziehungsweise mindestens zwei Strategien zum Umgang mit der Linkspartei hat. Beck ist Lafontaines Erfolgsgarant.

Die Grünen könnten sich ja dieses Jahr aus der Rot-Grün-Fessel befreien. In Hessen wäre Rot-Rot-Grün denkbar, in Hamburg sogar Schwarz-Grün. Was halten Sie davon?

Merkel wäre als Klimakanzlerin und gelernte Umweltministerin kompatibel, so wie ihr einziger verbliebener Rivale Wulff, der einfach keine schweren Vorstrafen eingesammelt hat, unterwegs. Die hat von Beust, und ich fände es arg sexistisch, wenn man mit einem Schill-Kumpel koaliert, weil der so nett schwul ist. Koch ist ebenso indiskutabel wie jedweder Nachfolger mit Kochs Programm. Ypsilanti bräuchte Putschbereitschaft von Wowereit, um durchzuziehen, was jedenfalls die hessischen Wähler nicht geschreckt hat.

Nicht nur in der deutschen Provinz wird gewählt, auch in den USA. Haben Sie schon einen Favoriten unter den Präsidentschaftskandidaten?

Keinen, denn keiner bietet eine Revision der Kriegspolitik und alle sind für einen Verbleib im Irak.

Vielleicht müssen die Deutschen dann nicht mehr mit Anfragen nach mehr Truppen für Afghanistan oder sonst wo rechnen. Wie sollte sich die Regierung bei solchen Forderungen von USA und Nato verhalten?

Wie jemand, der Umfragen liest und gelegentlich schon mal in Deutschland unterwegs war. Dieses Land will keine Kriege.

Die Bundeswehr ist mittlerweile bei zahllosen Auslandseinsätzen vom Balkan bis Afghanistan dabei. Sollte man nicht allmählich aussortieren, was davon wirklich nötig ist?

Mir persönlich würde es reichen, wenn die Bundeswehr aus den Grünen abgezogen würde. Der Respekt vor der Antikriegshaltung der Deutschen hat diese Vielzahl der Doch-nicht-ganz-Kampfeinsätze ergeben: Schon Kohl und Kinkel wollten dringend mit einem Platz im Sicherheitsrat prahlen, seitdem sandten erst recht Fischer und Schröder überall dort Bundeswehr hin, wo sie ohne hohe Zahl an "Gefallenen" durchzukommen hofften. Die Advocatus-Diaboli-Strategie wäre, in den Süden Afghanistans zu gehen, "den Fernsehzuschauern Zinksärge zuzumuten", wie Volker Rühe es vorhersagte, und so eine mächtige Friedensbewegung zu erzeugen. Wenn Fischer da wieder reden will, muss er im Panzer anrollen.

Nun noch zu etwas Erfreulichem: Nicolas Sarkozy hat Carla Bruni geheiratet und damit seine Staatsaffäre legalisiert. Wäre bei uns eigentlich eine solche amour fou möglich?

Merkel und Til Schweiger?

Und was macht Borussia Dortmund?

Schlägt Bremen, vergeigt fast gegen Tabellenletzten Duisburg. Vielleicht ist das auch ne Altersfrage und hätte ich das früher lustig gefunden. Es liegt an mir, okay?

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de