Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hat begriffen, dass man Steuern zahlen sollte - und die Deutschen müssen raus aus Afghanistan: die Woche mit Friedrich Küppersbusch.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

FRIEDRICH KÜPPERSBUSCH ist Journalist und Fernsehproduzent. Jede Woche wird er von der taz zum Zustand der Welt befragt.

Friedrich Küppersbusch: ZDF und Heidenreich trennen sich.

Was wird besser in dieser?

Taz holt Droste zurück.

Der bayerische Finanzminister Erwin Huber (CSU) ist wegen des Fiaskos bei den Landesbanken zurückgetreten. Wer soll sein Nachfolger werden?

Alle enorm klugen Kommentatoren, die - etwa in der Financial Times - dem Vorgang tiefgründige Analysen abgewannen wie "Der Staat kann halt keine Bank leiten". Das ist zum einen topaktuell, während ringsum Staaten Privatbanken retten, und zweitens gleich geradeaus gaga, denn die BayernLB ist 2005 entstaatlicht worden. Dieser Leiche noch ein neoliberales Bekenntnis aus dem Hals zu würgen - Respekt.

Wieder der Freistaat: Heute wird Horst Seehofer (CSU) im Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Wie lange wird er sich halten?

Keine Ahnung, ich bin ja noch gar nicht fertig mit Zu-Ende-Freuen über das Comeback von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger! Die FDP hatte sie damals Kohl geopfert und gegen ihre eigene Ministerin per Mitgliederbefragung den Lauschangriff durchgesetzt. Weltklasse-Pointe, dass sie nun ausgerechnet der CSU abgetrotzt hat: Polizisten dürfen nicht in Wohnungen einbrechen, um dort Spitzel-Technik zu installieren. Viele in der CSU werden jetzt fragen, warum man nicht lieber mit den Grünen geht, die auch mal ein Kohlekraftwerk (Hamburg) oder ne Startbahn (Hessen) durchwinken. Also: Leicht wirds nicht für den allerdings selbst eher bayerisch-liberalen Seehofer.

Die Wirtschaftskrise hält an, jeder Politiker, der sich zuständig fühlt, drängelt sich vor die Fernsehkameras. Nur einer scheint untergetaucht: Wo ist eigentlich der Wirtschaftsminister Michael Glos?

Normal muss man hier Qualifikationen mitbringen wie "50 Tricks, ein Flatterband am Messeeingang zu durchschneiden" Der "Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt"-Minister gilt als Grüßaugust, seit für deutsches Verständnis Ludwig Erhard die Welt zu Ende erfunden hat. So gesehen ist sein Ministerium eher die Sicherheitsverwahrung für Politiker, die man besser nicht allein zu Hause lässt. War ja kein Zufall, dass Clement das Haus erheblich vergrößert hatte, um mal was bewegen zu können.

In Afghanistan wurden bei einem Selbstmordanschlag zwei Bundeswehrsoldaten getötet. Sollen die Deutschen bleiben oder abziehen?

Der Bundeswehr-Verband, sozusagen die Soldaten-Gewerkschaft, fordert, von "Krieg" und "Gefallenen" zu reden. Tatsächlich hat es schon Orwellsche Güte, wie die kriegführenden Berliner Parteien uns den Krieg als bewaffneten Arm des Roten Kreuzes verkaufen. Und zwar, weil niemand einen "Krieg" mit "Gefallenen" akzeptieren würde. Raus, so schnell wie irgend möglich, 30 Tote und x-mal so viele Verstümmelte zu spät schon.

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il soll angeblich noch leben, obwohl er seit Monaten nicht gesichtet wurde. Also: Wo steckt der kleine Mann?

Ich sags nicht.

Ist das Vorhaben der EU-Kommission zum Einsatz von Nacktscannern an Flughäfen ein Verstoß gegen die Menschenwürde?

Es ist vor allem ein Vorhaben zum Vorzeigen spektakulärer bis halbgeiler Silbermenschen-Fotos in allerhand Medien.

Aber wäre der Flugverkehr dann nicht sicherer?

So Brillen mit "Sehen Sie Ihre Nachbarin nackig" wurden früher in Kleinanzeigen von Frisörzeitschriften verramscht. Ähnlich wie bei der Idee, durch anderer Leute private Mails zu hecheln, möchte man nicht wissen, was die Experten beim Niederschreiben solcher Ideen mit der anderen Hand machen.

Der Kampf um das politische Erbe des Rechtspopulisten Jörg Haider ist ausgebrochen: Wer wird sein Nachfolger?

Ich bin froh, dass die deutschsprachigen Rechtsextremisten keinen charismatischen Vorturner haben.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verzichtet auf den "Zukunftspreis 2008". Warum so bescheiden?

Ackermann löste Empörung aus, weil er sich "schämen würde, in der Krise Geld vom Staat zu nehmen". Leider hat er sich nie geschämt, das außerhalb der Krise zu tun. Sonst wäre das alles noch ein bisschen glaubwürdiger. Immerhin finde ich die Erkenntnis respektabel, dass man Steuern zahlen sollte, bevor man von ihnen profitieren möchte.

Michael Ballack und Joachim Löw im Dauerclinch: Revolte der alten Männer?

Erst musste Netzer jahrelang schimpfen, er vermisse die Führungsqualität von Spieler Ballack, nun verkehrt sich das in eine galoppierende Verlotharmatthäussung. In diesem Spieleralter Machtkämpfe mit dem Trainer anzufangen, ist, wenn der Trainer sich ernst nimmt, die Bitte um Kündigung. Nun hat Ballack eine Entschuldigung angekündigt - Thema durch.

Was macht eigentlich Borussia Dortmund?

Gelungener Relaunch von www.schwatzgelb.de mit übrigens sehr zutreffendem Schriftzug "Westfalenstadion" in der Dachgrafik.

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