Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Hartmut Mehdorn sollte endlich abtreten, Kinder sollten aus wirtschaftlichen Gründen auf "Opel" getauft werden und das Weltwirtschaftsforum in Davos ist Täterkreis.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der letzten Woche?

FRIEDRICH KÜPPERSBUSCH ist Journalist und Fernsehproduzent. Jede Woche wird er von der taz zum Zustand der Welt befragt.

Friedrich Küppersbusch: Ich will ja nicht drängeln, aber … entweder jetzt mal endlich Krise oder …

Was wird besser in dieser?

… der Kapitalismus müsste sich besinnen und wieder Produkte verkaufen, statt direkt Steuern zu erheben.

Erst eine gebrochene ICE-Achse, dann Warnstreiks und nun eine Bespitzelungsaffäre. Was kommt als Nächstes bei der Deutschen Bahn?

In Ihrer Aufzählung fehlt die Käseplatte im Mord-Bistro. Ähnlich wie bei Post, Telefon und anderen öffentlichen Diensten drischt man aber auch mit besonderer Anhänglichkeit auf die Bahn ein, vielleicht weil sie als Staatseigentum uns gehört und wir meinen bestimmen zu dürfen. Gemessen an gleichen Maßstäben ist etwa Ryan Air eine Art Luftwaffe gegen die Passagiere und Autofahren geradeaus bekloppt. Der Skandal ist die geplante Privatisierung, die uns das Recht nehmen wird, alle anderen Skandale zu bekämpfen.

Und wann tritt Bahn-Chef Hartmut Mehdorn endlich ab?

Telekom, Lufthansa, Bahn - sind Machtmissbrauch und Bespitzelung typisch für ehemalige Staatsfirmen, oder sind Staatsfirmen so kriminell wie alle, nur halt sacht transparenter? Mehdorn galt in der Schröder-Welt der netten Bosse als hochrangiger Zugang aus der Industrie. Heute lässt sich sagen, dass ein Vorleben bei Rüstungskonzernen, Flugzeugbauern und Druckmaschinenherstellern jedenfalls keine Hohlraumversiegelung gegen Korruption und Misswirtschaft ist. Mehdorn wird 66 und verdiente zuletzt um die 3 Millionen Euro - also Zeit für die Senior-Card, ja.

Klaus Zumwinkel erhält zwei Jahre auf Bewährung und verliert den "Glauben in den Rechtsstaat". Sie auch?

Wenn ein abgestrafter Zuhälter oder Totschläger beim Verlassen des Gerichtssaals kindisch pupst, möchte ich das nicht diskutieren müssen. So auch hier.

Die katholische Kirche holt einen Bischof zurück, obwohl der den Holocaust leugnet. Warum?

Wenn die ganze katholische Kirche neuerdings wüsste, warum sie etwas tut, wäre sie ja nicht mehr die katholische Kirche. Ratzi will es so. Vorgänger Johannes hatte mit Richtigstellungen und Entschuldigungen an die jüdische Gemeinschaft die bizarre kanonische Position geräumt "die Juden haben unseren Herrn Jesus umgebracht". Dafür nach dem Holocaust noch mal 50 Jahre gebraucht zu haben ist auch katholisch. Ratzinger scheint selbst das zu viel, und ganz sicher scheidet seine Firma jetzt spätestens aus dem Kreise der Hoffnungsträger, die mal eine Lösung des Nahostkonflikts moderieren könnten. Dummkopf!

Der Zentralrat der Juden bleibt der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag fern. Gut so?

Dieses Gedenken ist Idee und Vorschlag des verstorbenen Zentralratsvorsitzenden Ignatz Bubis gewesen. Steht mir nicht zu, ihn vor seinen Nachfolgern zu beschützen. Ich verstehe es nicht.

Der Schriftsteller John Updike ist gestorben, ohne einen Literaturnobelpreis bekommen zu haben. Eine Tragödie?

Ja nun, der Preis ist auch nicht Gott. Vielleicht eine Tragödie mindestens auch fürs Nobelkomitee.

Das Bundessozialgericht urteilt, dass der Hartz-IV-Regelsatz von 211 Euro für Kinder verfassungswidrig ist. Was dürfen wir jetzt von der großen Koalition erwarten?

Nachdem die Richter den Satz nicht der Höhe, sondern der Methode nach verwarfen, wird die Regierung mindestens ne andere Bastelanleitung als das bisherige "Kind = halber Erwachsener" raustun müssen. Unser Tipp : Hartz-Kinder direkt auf "Opel", "Commerzbank" oder allgemein "Arbeitsplätzchen" taufen.

Somalische Piraten entführen einen deutschen Tanker. Wozu Marineeinheiten, wenn diese scheinbar nichts nützen?

Franz Josef Jung lässt seinem Bruder im Geiste, Koch, wenn der dann im Herbst Verteidigungsminister wird, noch was zu tun übrig. Also ich meine beim Thema Piraten darfs ja schon mal gruseln.

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos ist es wegen des Kriegs im Gazastreifen zu einem Eklat gekommen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verließ nach einem Streit mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres das Podium. Zu Recht?

Mit Blick auf die Weltwirtschaftslage ist Davos ne konspirative Wohnung, und man sollte sich grundsätzlich überlegen, ob man sich mit dem Täterkreis öffentlich sehen lassen will. Konkret war Erdogan erbost, nachdem sein Vorredner ihn in einer 20-minütigen Suada mehrfach angesprochen hatte, Erdogans Erwiderung jedoch unprofessionell abgewürgt wurde.

Und was machen die Borussen?

"Jemand ist in meinem Wohnzimmer gestorben": Kitschiger gehts nicht, denke ich, dann lese ich die Texte von Fans über den letzten Mittwoch zu Tode gestürzten Stadionbesucher und finde sie wieder sehr anrührend.

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