Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Die FDP bleibt Genscher, "Bild" mag es dunkel und Stefan Mappus ist ein Dschungelkind.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Bis der Papst die Wendung "wir wollen inwendig beieinander sein" im "Wort zum Sonntag" raustat, hätte ich es auch als erotisches Gedicht durchgehen lassen.

Was wird besser in dieser?

Der reist wieder ab.

Wirtschaftsminister Rösler überlegt, Griechenland in die Insolvenz zu schicken - und die FDP springt in Umfragen prompt von 3 auf 5 Prozent. Was muss Rösler anstellen, um wieder auf die knapp 15 Prozent von der Bundestagswahl 2009 zu kommen?

Er muss zur Euro-Habsucht noch die Islamphobie hinzunehmen. Eben den kürzesten Weg gehen, uns nostalgische Gefühle für Westerwelle zu machen: Der hat es noch immer irgendwie vermieden, dass die FDP aus Hans-Dietrich Genscher austritt. Diese Radikalisierung, vergertwilderung der "Freiheitlichen" geht in der Opposition übrigens wesentlich enthemmter; mit dem Außenministerium ist sie z. B. nicht vereinbar. Und es ist schlecht für Handel und Wirtschaft, kostet die FDP also Stammwähler. Die FDP wird versuchen, die Koalition krachen zu lassen; die SPD signalisiert deswegen jetzt schon, dass sie nicht ohne Neuwahl in eine große Koalition geht.

ist Journalist und Fernsehproduzent. Jede Woche wird er von der taz zum Zustand der Welt befragt.

Zum Papstbesuch wird das Springer-Verlagshaus in Berlin mit zwei Riesenplakaten des Bild-Titels "Wir sind Papst!" verhüllt. Was sagt uns das über Bild-Chef Diekmann?

Er arbeitet gern im Dunkeln.

Die Wähler haben ihn in die Wüste geschickt, sein neuer Arbeitgeber, der Pharmakonzern Merck, schickt ihn bald in den Dschungel: Stefan Mappus wird ab März Merck-Chef in Brasilien. Ein Abstieg?

Warten Sie mal die vielen neuen Bahnhöfe in Brasilien ab. Vor der Berufspolitik studierte Mappus und jobbte "teilzeit im Vertrieb bei Siemens". Durchaus mutig von Merck, ihm eine von 67 Ländervertretungen anzuvertrauen. Und durchaus erwähnenswert : Anders als bei Bauboss Roland Koch wirkt Mappus Verwendung fern der Parteikumpel und deutscher Staatsaufträge relativ hygienisch. Man wünscht sich Politiker, die Berufs- und Lebenserfahrung mitbringen - heute mehren sich die, die sie allenfalls mitnehmen. Also erst Politkarriere, dann ordentlich Geld. So, wie der Medientenor gegenüber Politik ist, müsste man auch blöd sein, es anders zu machen. Blöd oder Idealist, was in der Nähe von Aktienkursen ungefähr als das Gleiche gilt.

Zockerskandal bei der Schweizer Bank UBS: Ein Investmentbanker hat bei einer ungenehmigten Transaktion 1,5 Milliarden Euro verdaddelt - dummer Zufall oder Wahnsinn mit Methode?

Die Finanzaufsichten der Schweiz und Großbritannien starten hochnotpeinliche Untersuchungen, wie ein einzelner Händler 1,5 Milliarden verlieren konnte. Ich glaube an das System erst wieder, wenn sie Untersuchungen starten, wie ein Einzelner 1,5 Milliarden verdienen kann. Da hätten sie viel zu tun.

Großverleger Alfred Neven DuMont veröffentlicht mit 84 Jahren ein Buch über einen Vater-Sohn-Konflikt, beteuert aber, dass es nichts mit seinem Sprössling Konstantin zu tun habe. Glauben Sie das?

Kölnische Rundschau: "Kein Schlüsselroman … Respekt!" - Kölner Stadt-Anzeiger: "Parabel über die Versöhnung der Generationen … erzählerische Erfindungskraft" - Frankfurter Rundschau: "Mehr als interessant … von radikaler Wucht". Die rezensierenden Blätter gehören dem Buchautor. Ich nutze einen günstigen und büronahen Parkplatz im Kölner "DuMont-Carree" und finde es ein Riesenbuch, muss ich dafür gar nicht erst lesen, ich spüre so was.

Regierungswechsel: In Dänemark löst Sozialdemokratin Thorning-Schmidt Rechtsausleger Rasmussen ab. Wird nun alles besser?

Tröstlich, dass sich Sozialdemokraten, Sozialisten, Linksliberale und linke Einheitsliste auch anderswo in hirnige Grabenkämpfe verwickeln können, statt zentrale Fragen zügig anzugehen. Die Mehrheit für diese Konstellation kann ich nicht anders als einen Auftrag lesen, die migrantenfeindliche Politik bisher zu revidieren.

200 Betonpoller und 500 Polizisten sollen das Oktoberfest vor Terrorangriffen schützen. Woher droht die größte Gefahr?

Ein Besoffener rast mit einem geklauten Kart übers Gelände, eine Besucherin aus Italien beißt Polizisten, ein Bekloppter versprüht Pfefferspray - fantasievolle Protestformen, die zu Massenfestnahmen führen würden, wenn da nicht für Alkoholmissbrauch demonstriert würde. Sondern sagen wir mal gegen Nazis. Nahe dem Westfalenstadion im Herzen Dortmunds wurde just auch ein "Oktoberfestzelt" errichtet. Ja nun, in Schalke soll es ein Gymnasium geben.

Und die Borussen?

Ihr seid Sadisten. Ich sitze hier kurz vor Redaktionsschluss und kann auch nur beten, dass die Hannover weghauen. (KAT)

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