■ Es trug Götter, Krieger und die Seelen von verstorbenen Menschen: Die Mythologie des Pferdes
In der ausgehenden Altsteinzeit wurde das Pferd als wertvolles Fleischtier nur gejagt. Die Domestikation begann in Nord- und Westeuropa sowie im Donauraum vermutlich im ausgehenden Neolithikum Ende des 3. Jahrtausends vor Christus, mit Sicherheit aber zu Beginn der Bronzezeit.
Aus Susa im Südwesten des Irans stammt die erste überlieferte Reiterdarstellung, eine Ritzzeichnung auf einem Knochen um 2.800 vor Christus. Schon früh wurden Pferde zum Ziehen von Streitwagen benutzt, in China seit 1.300 vor unserer Zeitrechnung, im ostkleinasiatisch-syrisch-mesopotamischen Raum schon einige Jahrhunderte früher. In Griechenland spielte die Reiterei im Krieg nur eine geringe Rolle. Da weder Sattel noch Steigbügel benutzt wurden, fehlte der Halt auf dem Pferd. Erst die Römer erkannten, ebenso wie die Germanen, die Bedeutung eines Reiterheeres.
Von alters her hatte das Pferd in vielen, besonders den indoeuropäischen Religionen große Bedeutung. Es galt als Amme des Menschen. Man trank Stutenmilch und daraus hergestellten leicht alkoholischen Kumys. Pferde wurden oft als Träger der Seelen Verstorbener betrachtet.
Viele Götter waren beritten, andere wurden in Pferdegestalt dargestellt. Bei Sumerern, Iranern, Griechen und Römern fuhr der Sonnengott vierspännig über den Himmel. Den Wagen des Hindu- Sonnengottes Surya zogen sieben Pferde. In der Edda wird die Sol von ihren Pferden Arvakr und Alsvidr gezogen. Auf einem bei Trundholm gefundenen bronzenen Kultwagen zieht ein Pferd die goldene Sonnenscheibe (1500 vor Christus).
Auszug aus dtv-Lexikon, Band 14, 1992
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