Die Mode in Zeiten des Mauerfalls: Der Ganzkörper-Trainingsanzug

Karottenhose, Ganzkörper-Jeanslook und Leopelz: Zum Mauerfalljubiläum auf der Suche nach stylischer Kleidung aus der DDR.

Ein schnäuzbärtiger Mann in einem hellblauen DDR-Trainingsanzug

Gekleidet wie zu DDR-Zeiten: 30 Jahre später ist der Look des Trainingsanzüge wieder im Trend Foto: dpa

BERLIN taz | Sommer 2018: Ausnahmsweise fahre ich mit dem Taxi zum Berliner Hauptbahnhof. Das Taxi teile ich mir mit einer Frau, die ich nicht kenne. Sie trägt einen lilafarbenen Ganzkörper-Trainingsanzug aus Ballonseide. Damals fand ich das Outfit noch seltsam. Heute sind bunte Trainingsanzüge aus Ballonseide auf Berlins Straßen normal.

Auch die Karottenhose ist wieder auf den Straßen unterwegs. Genau wie übergroße Jeansjacken in Kombination mit Jeanshosen oder Omas Strickjacken und Pelzmäntel mit Leopardenmuster (natürlich kein Echtpelz!). Und obendrauf immer eine Bauchtasche. Denn die ist nicht nur superpraktisch, sondern so sehr im Trend, dass sie es schon fast wieder nicht mehr ist. In der super-stylischen Szene Berlins sieht man auch die Dauerwelle und den Vokuhila wieder.

Bilder, die man zum 30. Jahrestag des Mauerfalls wieder sieht, zeigen: Menschen mit Vokuhila in Kombination mit Ganzkörper-Trainingsanzug, Karottenhose oder Ganzkörper-Jeanslook. Früher fand ich die Kleidung beim Anblick dieser Bilder merkwürdig. Heute suche ich im Kleiderschrank meiner Mutter nach den stylischen Jacken aus dieser Zeit. 30 Jahre später ist der Look der 80er also wieder schwer im Trend. Das sieht man auch daran, dass Modemarken wie Levi’s heute Jeansjacken verkaufen, die stark nach DDR- Zeiten aussehen.

Second-Hand-Läden in Berlin erleben damit ein Revival. Denn die Mode von vor 30 Jahren, die die damals junge Generation irgendwann nicht mehr sehen konnte und aussortiert hat, ist da noch vor Ort. Und es gibt einen weiteren Vorteil: Der Second-Hand-Konsum lässt sich gut mit dem Verzicht auf Fast Fashion vereinbaren. Das kommt Kapitalismuskritiker*innen und grünen Berliner*innen entgegen. Das nachhaltige Gewissen und der Trend der 80er passen also gut zusammen.

Auf dem Dachboden der Eltern

Um seinen Kleiderschrank aufzufüllen, muss man heute allerdings gar nicht mehr in ein Geschäft gehen. Man kann sich einfach auf dem Dachboden seiner Eltern und Großeltern neu einkleiden. Findet man ein übergroßes Jackett mit Schulterpolstern, hat man Glück gehabt.

„Die Mode läuft in Zyklen ab“, sagt David Roth vom Modeblog Dandy Diary. Die einflussreichen Designer*innen seien zum Höhepunkt ihres Schaffens zwischen 35 und 45 Jahre alt. Der Theorie nach würden sie dann dazu neigen, in ihren Kollektionen die Mode ihrer Jugend neu zu interpretieren. Sie sind also dafür verantwortlich, dass alles in abgeänderter Form irgendwann immer wieder kommt. Berlins Individualist*innen würden sich gegen diese Aussage wahrscheinlich sträuben.

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