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„Die Herren sollten selbst kommen“

■ Manuela Kirchhof (GdP) über Zustände am Waterloo-Ufer

taz: Frau Kirchhof, Sie haben sich als Mitglied des Landesbezirksvorstands der Gewerkschaft der Polizei im Fernsehen kritisch zur Abfertigung der Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien am Waterloo-Ufer geäußert. Was stört Sie?

Manuela Kirchhof: Daß da ein großer Publikumsandrang entstehen würde, war schon länger erkennbar. Denn die Innenministerkonferenz hat schon im Mai entschieden, daß die Duldung für die Kriegsflüchtlinge verlängert werden soll. Seit Mai hätte man viele organisatorische Verbesserungen herbeiführen können. Z.B. durch eine unkomplizierte Abfertigung innerhalb der Bezirksämter – jetzt müssen die Flüchtlinge viele unnötige Wege gehen.

Und es müssen Flüchtlinge aus verfeindeten Regionen anstehen.

Richtig: Serben, Kroaten, Bosnier und Roma, die, kriegsbedingt und kulturell bedingt, massive Probleme miteinander haben.

Das wäre vermeidbar gewesen?

Ab Mai hätte man sich an einen Tisch setzen und eine Koordination der auf das Landeseinwohneramt, die Bezirksämter und die Heime verteilten Zuständigkeiten vereinbaren können.

Warum passiert das nicht?

Es wurden politische Vorgaben an die Einzelbehörden weitergeleitet, ohne daß genügend Hintergrundwissen vermittelt oder die Aufgabe formuliert worden wäre, wie man die ganze Geschichte entzerren kann. Das Landeseinwohneramt etwa hat einzig den Auftrag erhalten, ein Sondersachgebiet herzurichten, aber man hat keine erweiterte Regelung mit anderen zuständigen Stellen geschaffen, bei denen man auch mal Hilfe erhalten kann. Gravierend ist auch der Personalmangel. Am Waterloo-Ufer gibt es zuwenig Fachpersonal, die Beschäftigten wurden aus verschiedenen Abteilungen geholt und haben statt der nötigen Ausbildung nur einen Schnellkurs absolviert. Und der reicht nicht.

Die Senatsverwaltung für Inneres behauptete vorgestern in einer Presseerklärung, das Abfertigungssystem am Waterloo-Ufer habe sich „bisher an allen Tagen“ bewährt, alles sei wunderbar.

Natürlich läuft das wunderbar, solange die Herrschaften aus der Innenverwaltung am Fehrbelliner Platz sitzen und sich nicht die Mühe machen, ans Waterloo-Ufer zu kommen. Mit so wenig Personal, so wenig Raum, so wenig Schulungszeit kann diese Arbeit auch nicht effektiv werden. Die Herren, die solch eine Presseerklärung herausgeben, sollten sich wirklich mal eine Woche lang in diesen Räumen aufhalten.

Ist das nur mangels Talenten schlecht organisiert oder Absicht?

Absicht würde ich das nicht nennen, aber Unüberlegtheit. Interview: usche

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