Deutscher Islamist ruft zum Dschihad auf: BKA befürchtet Anschläge
Ein vom Bundeskriminalamt (BKA) gesuchter deutscher Konvertit ruft in einem Video zum Dschihad auf. Sicherheitsexperten halten den 20-Jährigen für hochgefährlich.
SAARBRÜCKEN dpa/ap Mit einem Aufruf zum "Heiligen Krieg" hat ein deutscher Islamist Sorge vor neuen Anschlägen ausgelöst. In der übers Internet verbreiteten Videobotschaft ist der 20-jährige Eric B. aus dem Saarland zusammen mit einem vermummten Kämpfer in bergigem Gelände zu sehen. Auf Deutsch sagt der zum Islam übergetretene junge Mann: "Kommt zum Dschihad (Heiliger Krieg), denn das ist der Weg zum Paradies. Wenn ihr nicht kommen könnt, dann helft uns mit eurem Vermögen." In dem Video wird der Kampfname des Deutschen mit Abdulgaffar El Almani angegeben. Vermutet wird, dass er sich im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan aufhält.
Das Video wird nun von deutschen Sicherheitsexperten ausgewertet, wie Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) am Dienstag mitteilten. Bei den Sicherheitsbehörden ist der 20-Jährige aus Neunkirchen bereits bekannt, weil er Kontakte zur sogenannten Sauerland-Gruppe hatte. Das Trio war im vergangenen September im Sauerland verhaftet worden, weil es Bombenanschläge in Deutschland geplant haben soll. B. lebte mit einem der Verhafteten zusammen in einer Wohnung. Im September soll er sich ins Ausland abgesetzt haben.
Nach aktuellen Informationen soll sich der junge Deutsche in der schwer zugänglichen Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan in einem Ausbildungslager für islamistische Kämpfer befinden. In dem Film erklärt er seine Bereitschaft, sich für seinen neuen Glauben in die Luft zu sprengen, wie Südwestrundfunk (SWR) und Bild-Zeitung berichteten. Bild zufolge schließen deutsche Sicherheitsexperten nicht aus, dass der Film auf einen möglichen Selbstmordanschlag in Deutschland hinweisen könnte.
Die Behörden halten den Deutschen den Berichten zufolge für hochgefährlich. Über Art und Umfang möglicher Fahndungsaktionen wollte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Dienstag keine Angaben machen. Auch das BKA bestätigte die Existenz der Botschaft. Der Inhalt werde nun geprüft, sagte eine Sprecherin. Konkrete Hinweise auf Anschlagspläne lägen aber nicht vor. Dem SWR zufolge halten die Ermittler die Botschaft für "authentisch" und "beunruhigend".
"Focus Online" hatte Anfang April berichtet, den deutschen Behörden bereite vor allem Sorgen, dass Eric B. fließend Deutsch spreche und dadurch schneller Vertrauen bei Deutschen erwecken könne. Sein Ziel könnten vor allem deutsche Uniformierte sein, also Soldaten oder Polizisten an deutschen Standorten in Kundus, Masar-i-Scharif und Kabul. Aber auch zivile deutsche Einrichtungen würden als gefährdet eingestuft.
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Geschasste UN-Sonderberaterin
Sie weigerte sich, Israel „Genozid“ vorzuwerfen
Fake News liegen im Trend
Lügen mutiert zur Machtstrategie Nummer eins
Mord an UnitedHealthcare-CEO in New York
Mörder-Model Mangione
Prognose zu Zielen für Verkehrswende
2030 werden vier Millionen E-Autos fehlen
Syrischer Ex-Diktator im Exil
Assads armseliger Abgang
Partei stellt Wahlprogramm vor
Linke will Lebenshaltungskosten für viele senken