Der letzte Deutsche bei den Australian Open: Und tschüss?

Tommy Haas darf noch mitspielen bei den Australian Open. In Runde drei trifft er auf Rafael Nadal, die Nummer eins. Er will das Spiel genießen, gewinnen wird er wohl nicht.

In Melbourne feierte Tommy Haas die größten Erfolge seiner Karriere. Bild: ap

Es gibt keinen Anlass, sich Illusionen zu machen. "Auf dem Papier", sagt Tommy Haas zu seinen Aussichten im Spiel an diesem Samstag gegen Rafael Nadal, "sieht es nicht gut aus." Drei Versuche, drei Niederlagen, keinen Satz gewonnen. Und tschüss.

Doch es gibt Gründe, vor dem vierten Anlauf guter Dinge zu sein, mehr als nur einen. Es wäre sicherlich übertrieben zu sagen, dass er sich auf dieses Spiel wie ein kleiner Junge auf das erste ferngesteuerte Spielzeugauto freut. Aber er sieht darin im durchaus fortgeschrittenen Stadium seiner Karriere - und es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass es sogar das letzte Stadium ist - eine Art Geschenk. "Solche Matches muss man genießen, und das tue ich auch."

Bevor das Turnier losging, wusste er ganz genau, dass die Geschichte mit den Australian Open 2009 für ihn mit ein wenig Pech schnell vorüber sein könnte. Wenn man selbst nicht zu den Gesetzten gehört, dann kann das erste Spiel gegen einen starken Gegner schon das letzte sein. Aber er hatte das Glück, nach seiner fünf Monate langen Turnierpause in Runde eins auf einen Gegner (Eduardo Schwank, Argentinien) zu treffen, den er trotz ein wenig Nervosität klar (6:3, 6:3, 6:4) besiegen konnte, und in Runde zwei auf einen weiteren Mann, bei dem er sich stabilisieren und den er sogar dominieren konnte. Beim Sieg am Donnerstag gegen den Italiener Flavio Cipolla (6:1, 6:2, 6:1) gab er jedenfalls nicht mehr als vier Spiele ab.

Er war der einzige Sieger des deutschen Tennis an diesem Tag, und er ist nun auch der einzige, der von den ursprünglich gestarteten 20 Kandidaten übrig geblieben ist. Als er in den vergangenen Monaten damit beschäftigt war, wieder mal nach einer Verletzung in Form zu kommen, da hatte er sich genau solche Spiele wie das, was ihm nun bevorsteht, vorgestellt: Gegen die Nummer eins der Welt in einer der größten Tennisarenen der Welt. "Das ist es, worauf du dich freust, wenn du hierherkommst", sagt er.

Zu den US Open pflegt er eine besondere Beziehung, weil er in New York als halber Amerikaner meist auch ein halbes Heimspiel hat. Die Australian Open aber sind der Hort seiner größten Erfolge. Dreimal stand er in Melbourne im Halbfinale - 1999, 2002 und zuletzt 2007 -, und hier machte er nach eigener Einschätzung einige der besten Spiele seiner Karriere. Spontan fallen ihm zwei Begegnungen mit Roger Federer ein, der Sieg in fünf Sätzen aus dem Jahre 2002 und die Niederlage in fünf Sätzen 2006.

Aber hat er nach der langen Pause eine realistische Chance, tatsächlich gegen Rafael Nadal, die Nummer eins der Welt, zu gewinnen? Der gab bisher in zwei Begegnungen in Melbourne nicht mehr als elf Spiele ab, und obwohl er auch die zweite Partie im Expresstempo gegen den Kroaten Roko Karanusic gewann, machte er hinterher nicht den Eindruck, als sei er mit sich selbst zufrieden gewesen. Es gab zwar keine konkrete Äußerung, die das belegen könnte, aber es war zu spüren.

Verwundert nahm er die Nachricht zur Kenntnis, viele der Fans seien nicht begeistert von seinem neuen Outfit. In der Tat braucht man einige Sekunden, um zu realisieren, dass es tatsächlich Nadal ist, der spielt. In einem ganz normalen Tennishemd mit kurzen Ärmeln und in einer vergleichsweise kurzen Hose steht der Spanier auf dem Platz. Keine Ärmel, kurze Ärmel - es gebe immer irgendjemanden, dem irgendetwas nicht gefalle, meinte er mit der freundlichen Gelassenheit, mit der er außerhalb des Platzes ein ausgesprochen angenehmer Zeitgenosse ist. Voll des Lobes war er über die Qualitäten von Haas, als er meinte: "Er wird für mich der erste starke Gegner hier sein und ein Test, wie gut ich in Form bin. Er spielt einen guten Slice, gute Rückhand, gute Vorhand. Er kann Volley spielen, hat einen guten Aufschlag. Nee, der kann wirklich alles. Wenn ich gewinnen will, dann muss ich mit mehr Rhythmus und größerer Intensität spielen als er." Mit freundlicher Gelassenheit scheint er dem Spiel entgegenzusehen.

Haas sagt, er müsse was riskieren, um eine Chance zu haben, müsse Nadal unter Druck setzen. Nichts leichter als das, oder? Aber unabhängig davon, wie das Spiel am Samstag ausgehen wird, gibt es einen Umstand, der ihn ohne Einschränkung stolz macht. Dass er nach all den Rückschlägen, all den Verletzungen, nach all dem Auf und Ab in den 13 Jahren seiner Karriere immer noch stark genug ist, sich mit den Jungen messen zu können, die quasi schon zur nächsten Generation gehören.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de