Der Fortsetzungsroman: Kapitel 1: Unter der zuckenden Sonne

Den BewohnerInnen des Planete Blip gehen die Marshmallows aus. Was tun? Sie starten eine Expedition. Die muss erfolgreich sein, denn ohne die Zuckerbombe geht nichts auf Blip. Doch die Crew ist sich leider nicht ganz grün.

Das Weltall, unendliche Weiten: Was wohl von dort oben kommt? Bild: Nasa

Unter der zuckenden Sonne der Strobosolisgalaxie gingen die Bewohner des Planeten Blip auch an diesem Tag ihren mannigfachen Verrichtungen nach. Überall hatten sich Tausende summender Blipiden zu pulsierenden Clustern zusammengefunden, anmutige Luftfahrzeuge zogen über sie hinweg. Aus den Schornsteinen der Marshmallowkraftwerke stieg der Dampf. Im obersten Stockwerk des Administrativgebäudes, das in makelloser Sauberkeit glänzte, lauschte Chi dem Supervisor des 38. Aufklärungsgeschwaders, seinem Vorgesetzten.

„Ihre Mission ist entscheidend für unsere weitere Existenz. Unsere Marshmallowvorräte werden bald erschöpft sein“, sagte der Supervisor. „Aber unsere Forschungen lassen vermuten, dass sich auf dem Planeten R-D Marshmallowvorkommen in schier unbegrenzter Menge befinden. Sie werden diese Vorkommen ausfindig machen und dabei eine umfassende Datenerfassung vornehmen. Außerdem werden Sie mithilfe unserer überlegenen Technologie und einfühlsamen Beredsamkeit die einheimischen Heloten zur Zusammenarbeit bewegen.“

„Und wenn die Heloten nicht zusammenarbeiten wollen?“

„Helot, Good bye.“ Der Supervisor rollte die Augen. „Es geht wie gesagt um unsere Existenz. Wir kommen in Frieden, mit robustem Mandat.“

Chi räusperte sich: „R-D, in welcher Galaxie ist dieser Planet gleich wieder? Snickers?“

„Milky Way“, sagte der Supervisor. „Aber keine Sorge, Sie werden nicht einfach irgendwo auf R-D landen. Es gibt dort eine Gegend, die sich für unser Vorhaben besonders gut eignet. Die Heloten dort sind unermüdlich fleißig, sie haben sich auf die Produktion von Marshmallows spezialisiert und es ist, zumindest im Vergleich zum Rest von R-D, unglaublich sauber.“

„Und wie heißt diese Gegend?“, fragte Chi. Draußen schwebte ein Viermastschoner vorbei, die kristallinen Sonnensegel aufgebläht. Die Luftfähre war unterwegs in die Vororte.

„Das Schweiz.“ Der Supervisor rollte wieder mit den Augen.

„Das Schweiz, das klingt aufregend, wild und gefährlich.“ Chi zog sich an der Nase. „Wann soll es denn losgehen?“

„Heute … ich meine, jetzt sofort … unverzüglich.“

„Was? Jetzt gleich?“

„Ja, Ihr Raumschiff wird gerade aus dem Hangar gefahren.“

„Soll ich das alles alleine machen? Marshmallows finden, Heloten unterwerfen, Feldforschung?“

„Aber Chi, ich bitte Sie. Ich habe ja allergrößtes Zutrauen zu Ihnen, aber wir wollen nicht übertreiben. Ihre Crew erwartet Sie am Terminal.“

„Meine Crew?“

„Zu Ihrer Sicherheit wird Major Canis 2316 Sie begleiten.“

Chi rollte mit den Augen: „Klein und kompakt, sehr vernünftig.“

„Die Forschungsarbeiten werden von Professor Median und Professor Phäno durchgeführt. Beide sind ausgewiesene Experten auf ihren jeweiligen Fachgebieten.“

„Hauptsache, sie streiten nicht dauernd, wessen Forschung wichtiger ist.“

„Streiten? Nicht eine Sekunde. Die beiden lieben es, im Team zu arbeiten.“ Der Supervisor zog sich an der Nase. „Einen Bordtechniker kriegen Sie auch. Erster Maat C2H5OH.“

„Das kommt überhaupt nicht infrage.“

„Kommen Sie, Chi, C2 ist eigentlich ganz in Ordnung. Er hat nur ein wenig Pech gehabt.“

„Pech gehabt, Pech gehabt. Eine halbe Flotte hat er im Nirgendwo versenkt. Bitte nicht C2H5OH.“

„Tut mir leid, Chi, das Los fiel auf Sie, und wir haben dafür sehr lange gelost.“ Der Supervisor griff in seine Uniformjacke und reichte Chi ein rotes Etui. „R-D hat ungefähr die gleichen atmosphärischen Bedingungen wie Blip, aber die Sonne dort ist semisukzessiv. Tag und Nacht wechseln sich ab. Bei Tag scheint die Sonne pausenlos.“ Der Supervisor rollte mit den Augen. „Viel Glück, PT Chi. Unsere Hoffnungen werden Sie begleiten. Wenn Sie nicht lebendig zurückkehren, werden wir um Sie weinen. Wenn Sie ohne Marshmallows zurückkehren, werden Sie öffentlich hergerichtet.“

„Hingerichtet“, sagte Chi. „Sie meinen: hingerichtet.“

„Freut mich, wenn Sie mitdenken“, sagte der Supervisor.

Wenige Tausend Sonnenzuckungen später betrat FP Chi das Terminal. Und da war auch schon seine Crew.

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