Der 23. Spieltag im Überblick: FC Ribery München setzt sich ab

Stuttgart kontert Werder aus, Nürnberg bremst HSV. Leverkusen nähert sich der Spitze und der FC Bayern gewinnt wieder einmal dank einem überragenden Ribery - und ist nun sieben Punkte vorn.

Macht noch im Fallen eine gute Figur: Franck Ribery. Bild: reuters

BERLIN/DÜSSELDORF taz/dpa VfB Stuttgart hat Bayern München in der Fußball-Bundesliga wieder auf klaren Meisterkurs gebracht: In einem aufregenden Spiel konterten die Schwaben den erschöpften Titelkandidaten Werder Bremen mit 6:3 aus und verhalfen dem Rekordmeister zu einem Sieben-Punkte-Vorsprung an der Tabellenspitze. "Die Entwicklung in Stuttgart haben wir mit einem strahlenden Lächeln verfolgt", kommentierte Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld nach dem 2:0 seines Teams gegen den Karlsruher SC die Leistung des Titelträgers. Für Bremen endete eine "schwarze Woche" mit einer frustrierenden Niederlage.

Auch der Hamburger SV kann den Münchnern nicht folgen. Durch das torlose Unentschieden gegen den akut abstiegsgefährdeten 1. FC Nürnberg am Sonntag fehlen den Hamburgern nun schon acht Zähler auf die Bayern. Dabei hielt HSV-Keeper Frank Rost auch noch einen, wenn auch schwach getretenen Foulelfmeter von Zvjezdan Misimovic in der 43. Minute. Nach dem Pokal-Aus in Wolfsburg und der UEFA-Cup-Niederlage in Leverkusen muss man wohl schon von einer kleinen Formkrise bei den Hamburgern sprechen.

Und tatsächlich waren die Nürnberger unzufriedener mit dem Ergebnis als der HSV: "Mit dem Ergebnis bin ich nicht zufrieden, denn wir wollten heute einen Schritt machen", sagte Thomas von Heesen, der weiter auf den ersten Sieg als Nürnberger Trainer wartet. "Zum Leben ist das zu wenig." HSV-Trainer Huub Stevens meinte dagegen, "dass es ein gutes Bundesligaspiel war".

Borussia Dortmund - Hertha BSC 1:1

Eintracht Frankfurt - VfL Bochum 1:1

MSV Duisburg - Hansa Rostock 1:1

Bayern München - Karlsruher SC 2:0

VfL Wolfsburg - Energie Cottbus 3:0

VfB Stuttgart - Werder Bremen 6:3

Arminia Bielefeld - FC Schalke 0:2

1. FC Nürnberg - Hamburger SV 0:0

Bayer Leverkusen - Hannover 96 2:0

Tabelle (Tore Punkte):

1. Bayern München 41:11 50

2. Werder Bremen 51:34 43

3. Hamburger SV 34:17 42

4. Bayer Leverkusen 41:23 41

5. FC Schalke 36:24 38

6. Karlsruher SC 29:31 36

7. VfB Stuttgart 38:38 34

8. VfL Wolfsburg 39:35 33

9. Eintracht Frankfurt 27:30 33

10. Hannover 96 33:39 32

11. Hertha BSC 26:29 31

12. VfL Bochum 35:36 30

13. Borussia Dortmund 35:39 29

14. Hansa Rostock 21:32 23

15. Arminia Bielefeld 21:47 19

16. 1. FC Nürnberg 24:36 18

17. MSV Duisburg 23:37 18

18. Energie Cottbus 23:39 17

Die nächsten Spiele:

Dienstag, 11.03.2008:

Energie Cottbus - VfB Stuttgart 19.00

Freitag, 14.03.2008:

FC Schalke 04 - MSV Duisburg 20.30

Samstag, 15.03.2008:

Hamburger SV - Bor. Dortmund 15.30

Karlsruher SC - Eintr. Frankfurt 15.30

Energie Cottbus - Bay. München 15.30

VfL Bochum - VfB Stuttgart 15.30

Hannover 96 - Arminia Bielefeld 15.30

Hansa Rostock - Hertha BSC 15.30

Sonntag, 16.03.2008:

Werder Bremen - Wolfsburg 17.00

Bayer Leverkusen - Nürnberg 17.00

Bayer Leverkusen, am Mittwoch im Achtelfinal-Rückspiel des UEFA-Pokals Gast des HSV, wahrte den unmittelbaren Kontakt zu den beiden Nord-Clubs und besiegte Hannover 96 durch Treffer von Theofanis Gekas sowie Tranquillo Barnetta mit 2:0. Und ist so sicher in besserer Verfassung für das Rückspiel als die Hamburger.

Auf den Titel wollte in Bremen nach der Niederlage niemand mehr angesprochen werden. "Fragen Sie mich nicht nach der Meisterschaft", sagte Werder-Manager Klaus Allofs. "Das Thema ist nicht aktuell." Dabei zeigten die Bremer zunächst eine gute Leistung, beherrschten lange das Spiel, gerieten aber durch den Torinstinkt von Mario Gomez immer wieder in Rückstand. Doch in der zweiten Hälfte mangelte es der Werder-Abwehr erheblich an Konzentration - insbesondere Peer Mertesacker, der auch noch kurz vor Schluß die Rote Karte sah. Untypisch für den so fairen Spieler, und eher Ausdruck mangelnder Kraft als Ruppigkeit. "Die Partie hätte auch andersrum ausgehen können", befand hinterher VfB-Trainer Armin Veh. Gomez freute sich über seinen gelungenen Auftritt. Gegen Werder mache es immer besonders Spaß zu spielen, weil die so offensiv spielten, sagte der Torjäger. "Es ist super, dass wir mal wieder einen schönen Sieg errungen haben."

Die Bayern hatten wieder einmal vor allem Franck Ribéry. Bei seinem Tor in der 64. Minute spielte er bei seinem Marsch von der Linken an den Strafraum der Bayern heran 5 Karlsruher Spieler aus, bevor seinem letzten Gegner durchs Bein ins Tor schoß. "Er ist ein traumhafter Spieler", fand Torhüter Oliver Kahn nach dem 2:0-Erfolg gegen den KSC. "Man kann ihn mit Zidane vergleichen". Luca Toni, der sein 24. Tor im 32. Pflichtspiel für Bayern erzielte, sorgte für den anderen Treffer des Spitzenreiters. "Man ist beruhigter bei sieben Punkten Vorsprung auf Bremen", sagte Hitzfeld. Er konnte mit dem FC Bayern inzwischen den 150. Sieg feiern.

Nach dem Erfolg in der Champions League hat sich bei Schalke 04 auch die Lage in der Bundesliga entspannt. Das 2:0 bei Arminia Bielefeld durch Treffer von Gustavo Varela und Halil Altintop bescherte den Königsblauen den Sprung auf Rang fünf. "Es war insgesamt eine sehr gute Woche für die Mannschaft und den Verein", meinte Trainer Mirko Slomka. Die vom Abstieg bedrohten Ostwestfalen, die noch immer auf den ersten Sieg unter Trainer Michael Frontzeck warten, wollen trotz der Talfahrt an dem neuen Coach festhalten. "Egal, was passiert, die Saison wird mit Frontzeck zu Ende gespielt", betonte Präsident Hans-Hermann Schwick.

Im Kampf um den Klassenverbleib gab es für Energie Cottbus und den MSV Duisburg weitere Rückschläge. Cottbus war beim 0:3 gegen den VfL Wolfsburg mit dem Doppel-Torschützen Marcelinho machtlos. Duisburg vergab beim 1:1 im "Keller-Derby" gegen Hansa Rostock die Chance, die Abstiegsränge zu verlassen. "Die Mannschaft hat Nerven gezeigt", sagte MSV-Coach Rudi Bommer. Für Hansa erzielte Victor Agali seinen ersten Saisontreffer und den ersten in der Bundesliga seit vier Jahren überhaupt.

Zwei kuriose Szenen sorgten in den Partien Borussia Dortmund gegen Hertha BSC (1:1) und Eintracht Frankfurt gegen den VfL Bochum (1:1) für Aufregung. In Dortmund zeigte Schiedsrichter Babak Rafati Berlins Marko Pantelic versehentlich die Rote Karte, nahm die Entscheidung zurück und schickte stattdessen Hertha-Trainer Lucien Favre auf die Tribüne. Der Coach hatte den Schiedsrichter-Assistenten beleidigt und am Trikot gezogen.

In Frankfurt erlaubte Referee Felix Brych dem Bochumer Mimoun Azaouagh, einen Freistoß schnell auszuführen, als Eintracht-Torwart Oka Nikolov noch die Mauer stellen wollte. Azaouagh rettete mit seiner Blitz-Idee den Bochumern einen Punkt.

Nürnberg (dpa) - Bundesliga-Kellerkind 1. FC Nürnberg hat dem Hamburger SV den angestrebten Sprung auf den zweiten Tabellenplatz vermasselt. Nach einer enttäuschenden Vorstellung musste sich der HSV am Sonntag mit einem 0:0 beim Abstiegskandidaten begnügen und erlitt damit nach dem Pokal-Aus in Wolfsburg und der UEFA-Cup-Niederlage in Leverkusen einen weiteren Rückschlag. Als Dritter hat der HSV bereits acht Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München. Vor 44 900 Zuschauern besaß der "Club" in der 43. Minute durch Zvjezdan Misimovic sogar die große Chance, seinen ersten Sieg im Fußball- Oberhaus seit exakt drei Monaten perfekt zu machen. Doch der Bosnier scheiterte mit einem schwach geschossenen Foulelfmeter an Keeper Frank Rost.

"Mit dem Ergebnis bin ich nicht zufrieden, denn wir wollten heute einen Schritt machen. Zum Leben ist das zu wenig", sagte Thomas von Heesen, der weiter auf den ersten Sieg als Nürnberger Trainer wartet. "In unserer Situation wiegt der verschossene Elfmeter natürlich schwer, aber das soll kein Vorwurf sein", meinte Mittelfeldmann Peer Kluge. HSV-Trainer Huub Stevens war trotz des Punktverlustes nicht unzufrieden: "Ich denke, dass es ein gutes Bundesligaspiel war."

Stevens' Standpauke nach dem 0:1 in Leverkusen am Donnerstag zeigte wenig Wirkung. Nach 20 Minuten des Abtastens übernahmen die Norddeutschen unter der Regie von Kapitän Rafael van der Vaart zwar das Kommando, ließen aber im Abschluss jegliche Zielstrebigkeit vermissen. Seine besten Szenen hatte der HSV Mitte der ersten Halbzeit, als die Mannschaft das Tempo anzog. Doch "Club"-Keeper Daniel Klewer, der für Jaromir Blazek im Tor stand und erstmals seit dem 16. Dezember 2006 in der Bundesliga zum Einsatz kam, verhinderte mit zwei schnellen Reaktionen gegen Ivica Olic (22./23.) den drohenden Rückstand. "Ich habe heute auf dem Platz gestanden, also bin ich die Nummer eins", sagte der 31-jährige Klewer, mit dem die Franken zum zweiten Mal in dieser Saison ohne Gegentor blieben.

Der "Club" wirkte wie in den letzten Heimspielen verunsichert und agierte in der Offensive ohne Durchschlagskraft. Von Heesen hatte neben dem wegen der Spuck-Affäre gesperrten Jan Koller auch Angelos Charisteas draußen gelassen und vertraute stattdessen dem Sturmduo Robert Vittek und Iwan Saenko. Von beiden ging keine Torgefahr aus. Dass sich den Gastgebern dennoch die Riesenchance zur Führung bot, verdankten sie Schiedsrichter Markus Schmidt.

Nach einem Foul von Collin Benjamin an Kluge ließ der Unparteiische aus Stuttgart zunächst weiterspielen, entschied aber nach Intervention seines Assistenten an der Linie doch noch auf Strafstoß. Misimovic schob den Ball zum Entsetzen der Fans Rost in die Arme und verschoss damit im sechsten Anlauf seinen ersten Elfmeter in der Bundesliga. "Vielleicht hat er zu viel nachgedacht", meinte Nürnbergs Manager Martin Bader, der in der 46. Minute erleben musste, wie Vittek den Ball per Direktabnahme über das Tor jagte.

Der HSV blieb auch im zweiten Durchgang den Nachweis schuldig, eine Spitzenmannschaft zu sein und passte sich dem schwachen Niveau des Tabellen-16. an, bei dem Javier Pinola zum fünften Mal in dieser Saison Gelb sah und nächste Woche in Leverkusen pausieren muss. Das mögliche Siegtor für die Gäste in einem wahren Fehlpassfestival verpasste in der 65. Minute der Ex-Nürnberger David Jarolim, der aus 25 Metern das Lattenkreuz traf. Sieben Minuten später zielte Marco Engelhardt auf der Gegenseite frei vor Rost über das HSV-Gehäuse.

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