Das digitale taz lab: Wandel liegt in der Luft

Das taz lab 2021 wird am 24. April digital übertragen. Mit unserem Motto „A Change Is Gonna Come“ würdigen wir den Wandel, als Ermutigung wie Aufgabe.

Aktivisten tragen Mundschutze und Stoffmasken und strecken ihre Fäuste nach oben während einer Protestaktion, in deren Rahmen der Schriftzug «Black Lives Matter» auf die Fifth Avenue vor dem Trump Tower gemalt wird.

Mit welchen Augen sehen Sie den Wandel, wie sieht er für Sie aus? Senden Sie uns ein Bild oder Foto an tazlab@taz.de Foto: Rowland Scherman / Wikimedia Commons

Von JAN FEDDERSEN

Wir haben uns nicht von diesem Plan abbringen lassen. Und dies aus purer Not. Wir wussten vor fast zwölf Monaten, dass nächstes Jahr, also jetzt, uns nichts davon abhalten ließe – unser, Ihr und euer taz lab stattfinden zu lassen. Wir mussten das taz lab 2020 verschieben – und versprachen unserem Publikum, Ihnen und euch, damals, dass wir keine Abstriche machen würden. An Panels, Vorträgen und Debatten unserer Expert:innen.

Denn das Thema, das wir wählten, war einfach viel zu gut: „Change“. Angelehnt an den Sam-Cooke-Klassiker „A Change Is Gonna Come“, eine Hymne auf den Wandel, der kommen wird, der längst am Gären ist, unabwendbar.

Hymnisch, ernsthaft und frei von Ironie; als der US-Amerikaner dies intonierte, war ihm nach Pathos, nach einer Ergänzung im Ästhetischen zur damals wahnsinnig populären, tanzbaren, mitreißenden Musik Motowns aus der Autoindustriestadt Detroit. Es war eine Zeit, als Lynchmorde an Schwarzen Menschen in den Südstaaten der USA, in den blutigen Feldern der Sklaverei, noch längst nicht Geschichte waren.

Sam Cookes Erfahrungen zum Trotz

Aber Sam Cooke verfasste seine Hymne faktisch gegen seine Erfahrung als schwarzer Amerikaner, gegen die Erfahrungen von Menschen, die nicht weißer Hautfarbe sind. Er tat es trotzdem, er musste das, weil sich für die These, dass ein Wandel zum Besseren begonnen hat, auch Belege finden ließen, Indizien im Alltag und Hinweise in der eigenen Lebenspraxis mit Nachbar:innen, mit Freund:innen, mit den Communities.

Wir sollten von diesen Aufbrüchen, den Kämpfen gegen die Mentalität der Sklaverei und des Rassismus wissen – denn wir können davon erfahren, dass ein Wandel nicht nur wichtig ist, sondern auch, das Allerwichtigste, dass er sich lohnt und gute Früchte trägt. Das taz lab 2021 wird die Fragen des Umbruchs aufwerfen und zur Debatte stellen: Wo streiten neue Generationen, wo kämpfen Menschen für ein besseres Leben – und mit welchen Mitteln, mit welchen Erfolgsaussichten?

Die Verzagten haben, so können wir wissen, schon verloren: Mut zu fassen, zu erkennen, nicht allein zu sein mit den eigenen Ansprüchen auf das, was noch nicht ist oder was gerade wächst, ist das, was stärkt und Isolationen überwindet.

Engagiert um konstruktive Lösungen ringend

Die Klimakrise, Fragen der sozialen Ungerechtigkeit, solche, die auch in unserem Land Menschen nicht in Armut belassen und in Coronazeiten zu Wort und Stimme verhelfen, Fragen auch der Geschlechterdemokratie – das sind die Punkte, die bei unserem Kongress seit vielen Jahren immer aufgeworfen werden, aus verschiedensten Blickwinkeln stets, aber immer engagiert und um konstruktive Lösungen ringend.

Gelegentlich, so läuft das beim taz lab, auch in Streit und mit vielen Konflikten – und das ist gut so, denn wenn wir eines nicht wollen, dann ist es Bewegung, die einzig auf Versöhnung setzt. Im Gegenteil: „Change“, also Wandel heißt auch, bislang Marginalisierten den Rahmen zu geben, Luft zum Atmen überhaupt bekommen zu können.

Das taz lab, auch dieses Jahr, ist unser Fest, unser gemeinsamer Thinktank, um mit euch und Ihnen, mit alten und neuen Freun­d:in­nen die Lage zu checken. Sie ist gut, das Bessere können und müssen wir ermöglichen. Als taz lab Team ahnen wir: Das ist zusammen gut zu schaffen.

Jan Feddersen kuratiert seit 2008 die Volxkongresse der taz, die wir tazlab nennen – ein Laboratorium zur Zeit. Sein Text wurde im diesjährigen taz lab Team abgestimmt.