Das Stromnetz im Jahr 2010: Ein bisschen weniger Macht für Eon

Die Konzerne teilen das Stromnetz unter sich auf. Nun soll eine "unabhängige" Netz AG kommen. Mit im Verhandlungspaket der Regierung: der Atomausstieg.

Wem gehört es bald, das Netz? Bild: ap

BERLIN taz | Was passiert künftig mit den deutschen Hochspannungsnetzen? Traditionell gehörten die Autobahnen des Stromnetzes den Stromkonzernen, deren Zahl durch Fusionen zwischenzeitlich auf vier geschrumpft ist. Mit der Marktliberalisierung mussten die Unternehmen aus Wettbewerbsgründen jedoch ihre Übertragungsnetze innerhalb der Konzerne in eigene Gesellschaften ausgliedern. Die vier Gesellschaften nennen sich heute Amprion (RWE), Transpower (ehemals Eon), Vattenfall Europe Transmission und EnBW Transportnetze.

Der politische Druck, die Entflechtung weiter voranzutreiben, steigt. Eon reagierte bereits und gab im November bekannt, die Transpower Stromübertragungs GmbH an den niederländischen Stromnetzbetreiber Tennet zu verkaufen. Auch Vattenfall hat den Verkauf seines Hochspannungsnetzes beschlossen, sich mit den Interessenten, die vor allem aus dem Bankensektor kamen, aber noch nicht auf einen Preis geeinigt. Die beiden anderen Konzerne, EnBW und RWE, wollen ihre Netze indes behalten. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht nun der Satz: "Wir setzen uns dafür ein, die deutschen Übertragungsnetze in einer unabhängigen und kapitalmarktfähigen Netzgesellschaft zusammenzuführen." Ob eine solche deutsche Netz AG im Jahr 2010 kommt und wie sie aussehen könnte, ist jedoch offen. Denkbar wäre, dass alle vier Übertragungsnetzbetreiber ihre Netze in die neue Gesellschaft einbringen und dafür proportional an der AG beteiligt werden. Allerdings sind die Chancen dieses Modells mit dem bereits erfolgten Verkauf durch Eon gesunken. Als völlig unwahrscheinlich gilt derzeit ein Einstieg des Staates in eine Netz AG. Die Entwicklung ist offen, eines liegt jedoch nahe: Die Bundesregierung wird das Thema Hochspannungsnetze im Paket mit dem geplanten Ausstieg aus dem Atomausstieg verhandeln.

Wichtiger noch als die Eigentumsverhältnisse am Stromnetz ist ohnehin die Frage der Regelzonen. Bisher gibt es in Deutschland vier Regelzonen, das bedeutet, dass jeder Übertragungsnetzbetreiber selbst dafür sorgen muss, dass in seinem Areal die Stromerzeugung jederzeit mit der Nachfrage im Gleichgewicht ist. Das kann bislang aber dazu führen, dass RWE in einem Pumpspeicherkraftwerk Wasser den Berg hinaufpumpt, weil das Unternehmen gerade einen Überschuss an Strom hat, gleichzeitig aber die EnBW in ihrem Wasserkraftwerk die Turbinen anwirft, weil ihr gerade Strom fehlt.

Energetisch wie volkswirtschaftlich ist diese Praxis nicht effizient; das Phänomen des Gegeneinander-Regelns in den vier Zonen verursacht unnötige Kosten, die über die Netzentgelte von den Kunden bezahlt werden müssen. Vermutlich wird man daher die Regelzonen im Jahr 2010 ein wenig besser verknüpfen.

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