Das Staralbum zur Berlinale (3): Die Unfassbare

Renée Zellwegers Auftreten auf der Pressekonferenz für den Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "My One And Only" war geprägt von Floskeln.

Arbeitsverweigerung auf der Berlinale: Renée Zellweger. Bild: ap

Das Zellweger-Syndrom ist eine äußerst seltene, genetisch bedingte Stoffwechselstörung. Die tödlich verlaufende Erkrankung wurde 1964 von Hans Ulrich Zellweger entdeckt, einem amerikanischen Kinderarzt mit Schweizer Wurzeln. Renée Kathleen Zellwegers Vater Emil Eric stammt auch aus der Schweiz, hier enden die Gemeinsamkeiten nach unserem Wissen allerdings auch schon.

Mag sein, dass die Schauspielerin privat ein reizender, interessierter, couragierter Mensch ist, auf der Pressekonferenz zum wunderbaren Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "My One And Only" war sie vor allem eins: unfassbar. Sie, liebe Leser, wissen schon nach den zwei Sätzen mehr über das Zellweger-Syndrom als die Journalisten nach der Pressekonferenz über Renée Zellweger.

Kein einziger ihrer Sätze wäre es wert, zitiert zu werden: Sie lieferte die Floskeln, die manche Journalisten nicht müde werden zu hören - wie toll Berlin ist, wie toll der Film, wie toll die Zusammenarbeit, wie toll, wie toll! - und stellte sich ansonsten im Wortsinn taub, schob ihr schlechtes Gehör vor, wenn ihr eine Frage nicht passte, zu kompliziert war oder einfach nur nichts mit dem Film zu tun hatte.

Es ist ihr gutes Recht, nicht auf jede der bisweilen seltsamen Fragen zu antworten, in dieser Konzentration grenzte ihr Auftritt allerdings an Arbeitsverweigerung. Doch zum Glück waren alle Journalisten noch ganz berauscht von dem für eine US-Produktion erfrischend sarkastischen Film nach einem großartigen Skript von Charlie Peters, der laut Regisseur Richard Loncraine als Ghostwriter "mehr Filme geschrieben hat, als ihr alle ahnt".

Darin reist eine Mutter (Zellweger) nach dem Scheitern ihrer Ehe mit den beiden Söhnen durch die USA, um einen neuen Mann zu finden. Die Screwball-Komödie basiert auf den Erinnerungen des Schauspielers George Hamilton, der eine ziemlich unkonventionelle Jugend hatte.

Der zweite Glücksfall war Regisseur Loncraine, der 13 Jahre nach seinem Silbernen Bären für "Richard III." reichlich Übermut mitgebracht hat. "Würdet ihr bitte aufzeigen, wenn ihr den Film mochtet", rief er den Journalisten zu. Mit dem Ergebnis kann er sehr zufrieden sein.

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