Das Portrait: Der Nachfolger
■ Kostas Simitis
Kostas Simitis, neuer Chef der griechischen Sozialisten Foto: AP
Man sieht ihm wahrlich nicht an, daß er demnächst sechzigsten Geburtstag hat. Aber so alt sind sie inzwischen, die „Söhne“ des Pasok-Gründers Andreas Papandreou. Wo die Patriarchen bis ins biblische Alter regieren wollen, kommen die Erben mit Verspätung an die Macht.
Die Hoffnung, daß es für die griechischen Sozialisten nicht zu spät sein möge, ruht seit vorgestern auf Kostas Simitis. Der Jurist und ausgewiesene Wirtschaftsexperte verkörpert die Kontinuität der Partei und zugleich die Chance des Neubeginns. Es ist kein Zufall, daß sich die Hoffnungen nach zwei Jahren Papandreou-Götterdämmerung auf einen Menschen richten, der sich vom „verlorenen Sohn“ des alten Andreas zum Politiker mit eigenständigem Profil gemausert hat.
Für bedingungslose Andreas-Gläubige war Kostas Simitis immer ein Außenseiter. Schon während der Junta-Zeit, die 1974 endete, hatte er eine eigene Widerstandsorganisation, die innergriechische „Demokratische Verteidigung“ geleitet. Im Exil schloß er sich dann der von Papandreou gegründeten Organisation an, aus der 1974 die Pasok hervorging. Vor und während der Junta-Diktatur studierte und lehrte Simitis in Deutschland. Dies und seine guten Kontakte zur deutschen Sozialdemokratie haben ihm auch das innenpolitisch nicht unbedingt hilfreiche Etikett des „Germanophilen“ eingetragen. In Wirklichkeit ist Simitis seit der Widerstandsepoche stets ein „Europäer“ gewesen. Innerhalb der Pasok trat er für eine EG-Orientierung Griechenlands schon zu einer Zeit ein, als die parteioffiziellen Slogans EG und Nato noch als ein und dasselbe verfemte „Syndikat“ verabscheuten. Es blieb nicht der einzige Konflikt mit Andreas Papandreou, bei dem er zwar in allen drei Regierungen (von 1981, 1985 und 1993) diente, aber niemals bedingungslos oder gegen bessere Einsicht.
Eine besonders bittere Erfahrung für Simitis kam 1987, als der Regierungschef aus Angst vor den nächsten Wahlen das gemeinsam entworfene „Stabilisierungsprogramm“ aufkündigte und seinen Wirtschaftsminister als Sündenbock opferte.
Als Simitis 1995 das Kabinett verließ, hatte er sich schon als Haupt einer „Viererbande“ profiliert, die energisch die Reform seiner Partei einforderte. Jetzt hat zumindest die Parlamentsfraktion der Pasok diesen Mut honoriert. Nils Kadritzke
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