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Galerie NeuDas Leben vor und hinter den Spiegeln: Carpenters Narzissten

Wie konnte es geschehen, dass der Narziss sich zur kulturellen Leitfigur der Gegenwart aufschwingen durfte? Die antike Mythologie zeichnete ihn noch als armes, am Wasser herumlungerndes Wesen, welches nicht zwischen Illusion und Realität zu unterscheiden wusste. An dieser Unentschiedenheit ging er schließlich zugrunde. Die Kunst jedoch liebte diesen Knaben, der so verliebt war in sich selbst.In der aktuelle Ausstellung von Merlin Carpenter wird man von Graham begrüßt, einem narzistischen Prachtexemplar, der auf wundersame Weise selbst dann nicht von seinem Schimmel stürzt, wenn sich das Tier fast senkrecht unter ihm aufbäumt. Carpenter hat seine Figur mit den üblichen Macht-Insignien ausgestattet: genau wie der wütende Donald trägt auch er eine rote Power-Krawatte zum dunklen Business-Zwirn und blickt immer ganz entschlossen. Hinter den Spiegeln nimmt er die Posen seiner weiblichen Gegenüber ein, die die sterile Erotik von Instagram-Unterwäsche-Accounts atmen. Das Unbehagen in der Kultur wird luzide auf den Punkt gebracht. KIN

Bis 22. 7., Di.–Sa., 11–18 Uhr, Linienstr. 119 abc

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