DDR-Kultmarke MZ: Letzte Seufzer der Motorradlegende

Das Schicksal der ältesten ostdeutschen Motorrad-Traditionsmarke scheint besiegelt. Die Produktion der MZ im sächsischen Zschopau ist stillgelegt, die Mitarbeiter sind gekündigt.

Bis zu 85.000 Motorräder verließen pro Jahr das Werk, 3.200 Menschen arbeiteten hier zur Wende. Bild: dpa

DRESDEN taz Fast 20 Jahre nach der Wende stirbt die letzte überlebende deutsche Motorradlegende einen wenig heldenhaften Tod. Die MZ Motorrad- und Zweirad GmbH im sächsischen Zschopau hat zum Jahresende 2008 den verbliebenen 40 Mitarbeitern gekündigt. Für die Ersatzteilproduktion sind befristet bis zum Juli dieses Jahres nochmals neun Mitarbeiter eingestellt worden.

Der Eigentümer, der Mischkonzern Hong Leon aus Malaysia, hatte wegen anhaltender Verluste im Sommer 2008 die Schließung des Werkes angekündigt. Im September verließ die letzte Maschine den Traditionsstandort. Ein Verkauf in allerletzter Minute ist jedoch noch immer nicht ganz ausgeschlossen.

Unter der Marke DKW begann 1922 in Zschopau die Produktion des weltweit ersten Motorrades mit Zweitaktmotor. Seine eigentliche Blütezeit erlebte der Motorradbau im Erzgebirge während der DDR-Ära. 1950 wurde hier zunächst das Vorkriegsmodell RT 125 wieder aufgelegt. Fast 40 Jahre lang beherrschten MZ-Motorräder neben der Jawa-Konkurrenz aus der Tschechoslowakei das Straßenbild in der DDR. Zweieinhalb Millionen Maschinen fertigten die 3.200 Mitarbeiter in dieser Zeit, bis zu 100.000 jährlich. Die sportlichen Modelle waren bei Rennen international erfolgreich, einige fanden sich zu Billigpreisen in westdeutschen Katalogen wieder.

Die Käufer im Osten aber hielten ihrer Marke nach 1990 nicht die Treue. Die Verkaufszahlen sanken dramatisch und mit ihnen die Zahl der Mitarbeiter. 200 waren noch verblieben, als Hong Leong 1996 das Werk übernahm. Zwölf Jahre später entschloss man sich zur Schließung, als bis Mai 2008 nur noch 74 Neuzulassungen gezählt wurden. Die Entwicklungsabteilung war 2006 aufgegeben worden, obschon das Spitzenmodell 1000 S den sächsischen Designpreis erhielt.

In die Suche nach Investoren, die das Werk zum nicht verhandelbaren Kaufpreis von 5 Millionen Euro übernehmen könnten, hatte sich auch Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) eingeschaltet. Nach Angaben von Geschäftsführer Yap Peng Leong, der den malaysischen Mutterkonzern vertritt, soll es weiterhin Kaufinteressenten geben. Zu konkreten Übernahmeverhandlungen kam es aber nicht.

Die größten Hoffnungen richteten sich im Juli 2008 auf die Wankel AG. Vorstandschef Mario Häberer, der die Konkursmasse des Herstellers von Kreiskolbenmotoren 2002 mit einem kleinen Betrieb von 14 Mitarbeitern übernommen hatte, zeigte auch an MZ Interesse. "Dieses Interesse besteht weiterhin", bekräftigt Häberer. Er stehe im Kontakt mit Geschäftsführer Yap. Um die Bank als Geldgeber zu gewinnen, bedürfe es aber eines rentablen Geschäftsmodells, das nur in Zusammenarbeit mit MZ zu erarbeiten sei. Mit dem Auslaufen der Bindefrist für MZ-Fördermittel des Freistaates Ende 2008 gebe es dafür Freiräume.

Neue Fördermittel zur Rettung von MZ könne es prinzipiell nicht für den Verkauf, sondern nur für ein tragfähiges Konzept geben, sagte das sächsische Wirtschaftsministerium auf Anfrage.

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