: DAS EHRENAMT
Unsere Schul- und Sportsenatorin Hanna Renate Laurien entdeckt immer mehr Leidenschaft für die Leibesübungen. Diesmal – am gestrigen Sonntag in aller Hergottsfrühe – ließ sie sich ins weit entfernte Spandau kutschieren, um dort 150 Sportexperten aus fünf Ländern eine ihrer Erleuchtungen zukommen zu lassen: „Wir leben in einer Gesellschaft des Egoismus“, rief sie den verschlafenen Kongreßteilnehmern zu. Und dann – wie ein segensreiches Wort der Prophetin, das die Zuhörerschaft wie ein Blitz der Erkenntnis trifft und auf den Stühlen erzittern läßt: „Wir brauchen das Ehrenamt!“ Ja
–das war Erkenntnis, das war der Weg aus dem Dunkel einer wölfischen Gesellschaft. Das heilige Ehrenamt. Die Vision eines schlechtbezahlten, aber glücklichen Gesellen, der den schnöden Mammon verachtet und sich ganz in den Dienst der heiligen Sache stellt. Eltern ins Ehrenamt, Abiturienten, Arbeitslose ins Ehrenamt. Alle ins Ehrenamt. Bewegt und begeistert, fassungslos beinahe: Die Hörerschaft. Nichts blieb mehr zu sagen, der Kongreß löste sich mit dem Rüstzeug der „Frohen Botschaft“ auf. Die Senatorin aber entschwebte durch die Reihen der Staunenden, als sich plötzlich eine Stimme erhob: Hanna Renate ins Ehrenamt.
Th.D.
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen