: DAS EHRENAMT
Unsere Schul- und Sportsenatorin Hanna Renate Laurien entdeckt immer mehr Leidenschaft für die Leibesübungen. Diesmal – am gestrigen Sonntag in aller Hergottsfrühe – ließ sie sich ins weit entfernte Spandau kutschieren, um dort 150 Sportexperten aus fünf Ländern eine ihrer Erleuchtungen zukommen zu lassen: „Wir leben in einer Gesellschaft des Egoismus“, rief sie den verschlafenen Kongreßteilnehmern zu. Und dann – wie ein segensreiches Wort der Prophetin, das die Zuhörerschaft wie ein Blitz der Erkenntnis trifft und auf den Stühlen erzittern läßt: „Wir brauchen das Ehrenamt!“ Ja
–das war Erkenntnis, das war der Weg aus dem Dunkel einer wölfischen Gesellschaft. Das heilige Ehrenamt. Die Vision eines schlechtbezahlten, aber glücklichen Gesellen, der den schnöden Mammon verachtet und sich ganz in den Dienst der heiligen Sache stellt. Eltern ins Ehrenamt, Abiturienten, Arbeitslose ins Ehrenamt. Alle ins Ehrenamt. Bewegt und begeistert, fassungslos beinahe: Die Hörerschaft. Nichts blieb mehr zu sagen, der Kongreß löste sich mit dem Rüstzeug der „Frohen Botschaft“ auf. Die Senatorin aber entschwebte durch die Reihen der Staunenden, als sich plötzlich eine Stimme erhob: Hanna Renate ins Ehrenamt.
Th.D.
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