: Cuxhavens Reichskriegsflagge
■ Hitlers Künstler und Konteradmiral unkommentiert gezeigt
Er kommandierte 1939 das Segelschulschiff mit dem schönen Namen „Horst Wessel“; in den Wirren des Krieges wußte er immer wieder einen Weg, wie er seinen Hilfskreuzer „Orion“ durch geschickte Tarnmanöver der Feindeshand entzog: Konteradmiral Kurt Weyher ist in Marinekreisen eine Legende. Zahllose Handelsschiffe versenkte er auf Kaperfahrt rund um die Erde, und er schonte die möglicherweise überlebenden Schiffbrüchigen. Den Kleinsten unter ihnen richtet er einen Aufenthaltsraum ein. Und: der Admiral war Maler! Er brachte von der Kaperfahrt viele große und kleine Pastellchen mit sowie diverse selbstgebastelte Schiffsmodelle.
Die Stadt Cuxhaven resp. das Stadtmuseum blicken liebevoll auf ihre Marinetradition zurück. Ja, das Museum will gar ein Archiv anlegen und zur „Heimat der Hilfskreuzer“ werden. Schon heute ist ein kleiner Vorgeschmack möglich: Konteradmiral Weyher wird mit seinen Bildern, seinen Modellen, seinen hakenkreuzverzierten Ehrenzeichen und Befehlen ausgestellt — im Stadtmuseum. Eindrucksvoll im Hintergrund: die ruhmreiche Reichskriegsflagge, zu der allerdings in letzter Zeit selbst Top-Industriemanager nicht mehr stehen wollen.
Und schon sind sie wieder auf dem Plan, die ewigen Schmutzwühler, die Cuxhaven nicht in Frieden stolz sein lassen wollen auf glorreiche Kaperzeiten und einen Admiral, der Kamerad und Künstler zugleich war. Die Cuxhavener Grünen wollen die phantastisch besuchte Ausstellung „Kurt Weyher, Admiral und Künstler“ tatsächlich schließen lassen. Fraktionsmitglied Bernd Jothe: „Eine unkommentierte Darstellung von Fahnen, Orden und Befehlen aus der Nazi-Zeit kann so nicht hingenommen werden.“ Ihm fehlt die kritische Darstellung der Kaperei und ihn stört, daß in einem Haus die Reichskriegsflagge hängt, wenn auf den Außenmauern der Judenermordung gedacht wird. Schließen und erstmal ein historisches und künstlerisches Konzept erarbeiten, ist seine Forderung an Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor, „da die Kulturabteilung der Stadt offensichtlich überfordert ist, hier schnellstmöglich Abhilfe zu leisten.“
Es geht die Rede, Kurt Weyhers Prinzip sei gewesen, „Versenken heißt nicht vernichten.“ Hier also schonmal der Vorschlag für die Softversion der Ausstellung: Konteradmiral Kurt Weyher, Humanist unter Hitler.
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