Corona-Schnelltests: Die neue Freiheit

Nach Monaten der Disziplin geht unser Autor zu einer Geburstagsfeier mit mehr als zwei Haushalten. Dank Schnelltests hat er kein schlechtes Gewissen.

Eine Frau in Arztkittel steht ein einem Schnelltestzentrum

Tut gar nicht weh: Schnelltestzentrum in München Foto: Daniel Biskup

Am Samstag, 14.05 Uhr, hole ich mir ein kleines Stück Freiheit zurück. Bei einem Testzentrum in Berlin mache ich einen kostenlosen Corona-Schnelltest. Ein negatives Ergebnis ist Einlassbedingung für die kleine Geburtstagsfeier, zu der ich am Abend gehen will. Ja, es werden dort mehr als die derzeit zwei erlaubten Haushalte anwesend sein, ja, das ist noch verboten, aber was Brandenburg kann – die Notbremse aufweichen –, das kann ich auch. Ein bisschen ziviler Ungehorsam muss sein nach diesen Monaten der Disziplin und Einsamkeit.

Schon in der Woche zuvor wollte ich sichergehen, dass ich beim abendlichen Sit-in mit zwei Freunden niemanden anstecke. Die Suche nach Schnelltests in Drogerien und bei Discountern blieb noch erfolglos, also ging ich spontan in ein Testzentrum.

Dort stand ich fünf Minuten in einer Schulturnhalle rum, erinnerte mich an Demütigungen und stinkende Jungs – kam dran, ertrug tapfer das Stäbchen im Hirn und hatte nach 20 Minuten eine Mail mit negativem Ergebnis.

Läuft doch nicht alles schief in Corona-Deutschland, dachte ich, als ich mir später den Sekt schmecken ließ.

Die neue Bückware

Noch sind die Testzentren nicht flächendeckend für alle erreichbar, in ländlichen Regionen sind sie teils Dutzende Kilometer entfernt. Und auch die Schnelltests für den Hausgebrauch sind noch nicht in allen Drogerien und bei allen Discountern erhältlich. Bei Aldi startete zuletzt gar der „stille Verkauf“, man muss an der Kasse aktiv nach Schnelltests fragen. Die Mangelwirtschaft lässt das Konzept der Bückware wieder aufblühen.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Aber das wird sich bessern. Und während uns das Corona-Management in Deutschland Woche für Woche verzweifeln lässt, werden wir nach einem Jahr Pandemie immer sehnsüchtiger. Wünschen uns Normalität, menschlichen Kontakt, Freiheit. Dabei können uns Schnelltests helfen, auch wenn sie keine vollständige Sicherheit bieten, nur für wenige Stunden gültig sind und längst nicht alle Infizierten erfassen. Aber: Ein bisschen Restrisiko ist immer.

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