Contra 50-plus-1-Regel: Vereine für Investoren öffnen

Sollen reiche Russen oder Scheichs Bundesligaklubs kaufen können? Warum nicht?! Ein freies Spiel der Kräfte würde einen Mentalitätswandel in der Bundesliga erzwingen.

Manche Leute kaufen sich einen Hund, Abramowitsch hat sich den FC Chelsea gekauft. Bild: dpa

Warum eigentlich nicht?! Weg mit der Regelung 50 plus 1, die den Bundesligavereinen die Mehrheitsrechte zusichert. Die Vereine sollten sich ruhig frei auf dem Markt der Steine und Beine, wie es im Business-Jargon heißt, bewegen. Vorbei wäre es mit der Vereinsmeierei, die Klubs wären Übernahmeobjekte, Spielzeuge für Investoren. Das würde sicherlich auf den Hamburger SV, Borussia Dortmund, Schalke 04 oder - mit Abstrichen - auf den FC "Festgeld" zutreffen, Bayern München. Und der Rest? Könnte lange warten auf die Geldsäcke aus Russland oder vom Golf.

Doch die Rosinen des deutschen Fußballmarktes könnten sich schnell als vertrocknete Tollkirschen erweisen, denn nur im seltenen Fall ist Profifußball renditeträchtig. Bei Manchester United klappt es ganz gut, anderswo taugt der Großverein den Superreichen allenfalls zum Prestigegewinn. Da kann dann schon mal eine halbe Milliarde Dollar draufgehen, wie Roman Abramowitsch beim FC Chelsea bewiesen hat.

Es ist fraglich, ob die hiesigen Vereine von einer Liberalisierung des Marktes profitieren würden. Immerhin könnten sie dann nicht mehr das Argument ins Feld führen, die 50-plus-1-Regelung führe zu Wettbewerbsnachteilen im Europageschäft. Ein freies Spiel der Kräfte würde auf jeden Fall einen Mentalitätswandel in der Bundesliga erzwingen. Sie ist seit Jahrzehnten daran gewöhnt, alimentiert zu werden. Stadt, Land und Bund finanzieren oft und gern Stadionbauten, geben Garantien für marode Klubs oder bezahlen die ausufernden Polizeieinsätze. Zum Dank überlegen Bundesligisten (Hertha BSC), die Namensrechte des fremdfinanzierten Stadions zu verschachern.

Dem Steuerzahler käme es sicherlich entgegen, wenn die Vereine wie eine echte Kapitalgesellschaft auftreten würden und damit auch mehr Verantwortung übernähmen. Die Frage ist nur: Wer soll deutsche Vereine kaufen? Russische Ölmagnaten? Wohl kaum, die toben sich lieber in England aus, weil sie London zu ihrem Hauptwohnsitz erkoren haben. Arabische Dollarmilliardäre? Ein Engagement ist unsinnig, weil die Bundesliga wenig Imagegewinn verspricht. Verbleiben nur zwielichtige Gestalten, die ein großes Interesse daran haben, ihr dubios erworbenes Geld reinzuwaschen: Aus Strizzis werden Saubermänner.

All jene, die englische Verhältnisse propagieren, müssen sich fragen, ob sie einen malayischen Wettkrösus beim HSV haben wollen oder den Bonzen eines Schwellenlandes bei Schalke 04.

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