piwik no script img

Computer mit Eigenleben

■ Chip-Hersteller verkaufte fünf Millionen Prozessoren mit eingebautem Rechenfehler

Ein schwerer Rückschlag für den Chip-Hersteller Intel. Über fünf Millionen Computer sind inzwischen mit der neuesten Intel- Kreation, dem Pentium, ausgestattet. Und jetzt stellt sich heraus, daß er bereits bei einfachen mathematischen Aufgaben versagt.

Im Datenhighway Internet tauchten bereits Ende Oktober die ersten Meldungen auf. Der Mathematiker Thomas Nicely aus Virginia, USA, berichtete von seinen verzweifelten Versuchen, mit einem Pentium-Computer Primzahlen zu berechnen. Die weltweit vernetzten Computer-Nutzer rechneten nach und bestätigten ihm: der Fehler ist in seinem Computer fest eingebaut.

Über drei Millionen Transistoren besitzt der Pentium. Ein gutes Dutzend davon hat Intel schlichtweg vergessen. Dieses führt dazu, daß bei bestimmten Zahlenpaaren die Gleitkommadivision nicht korrekt ausgeführt wird: der Computer gibt ein falsches Ergebnis wieder. Betroffen sein können sowohl grafische als auch Rechenprogramme.

Für Pentium-Besitzer, die auch noch die Software Excel zur Verfügung haben, hat das Wissenschaftsmagazin New Scientist eine Rechenaufgabe veröffentlicht, mit der die Pentium-Computer überprüft werden können: 4195835 – (4195835/3145727) x 3145227. Nach Adam Riese muß das Ergebnis 0 lauten. Der falsch konstruierte Pentium macht daraus 256.

Für viele Pentium-Nutzer dürften die vergessenen Transistoren tatsächlich nicht von Belang sein. Ärgerlich finden sie vielmehr die Vertuschungsaktionen von Intel. Lange Zeit hat der Chip-Hersteller versucht, das Problem zu verheimlichen. Später dann wurde es bagatellisiert. Und immer noch ungeklärt ist, ob Intel auch alle fünf Millionen Chips umtauschen wird. Bisher bietet Intel nur besonders wichtigen Kunden wie der NASA in Houston einen Ersatzchip an. Wolfgang Löhr

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen