Chinesisch-nordkoreanische Freundschaft: Wie Zähne und Lippen

China, der einzige Verbündete und die Schutzmacht Nordkoreas, kann kaum noch auf die nordkoreanische Führung einwirken.

Protestaktionen in Seoul gegen den nordkoreanischen Atombombentest. Bild: reuters

PEKING taz | Nordkorea und China - so eng verbunden wie Lippen und Zähne. Mit diesem Bild beschrieben chinesische Politiker und Militärs jahrzehntelang ihr Verhältnis zum Nachbarn. Der Koreakrieg 1950-53, in dem eine Million Chinesen an der Seite der nordkoreanischen Verbündeten starben, galt als Grundlage ewiger Freundschaft.

Erst kürzlich bekräftigten beide Regierungen ihre guten Beziehungen. Sie erklärten 2009 zum "Freundschaftsjahr" und versprachen sich, noch intensiver als bisher zusammenzuarbeiten. Chinesische Geschäftsleute gehören zum Alltag der nordkoreanischen Hauptstadt. Auf den Märkten in Pjöngjang werden chinesische Konserven, Küchengeräte und Werkzeuge gehandelt, und auf der chinesischen Seite der Grenze leben viele Nordkoreaner.

Doch tatsächlich ist das Verhältnis längst nicht mehr so innig. Wer chinesische Funktionäre auf die Nordkoreaner anspricht, riskiert grimmiges Stirnrunzeln. Wer nordkoreanische Genossen über China befragt, erntet nicht selten eisiges Schweigen oder die Klage, dass die Chinesen ihnen minderwertige Waren teuer verkauften.

Die Nordkoreaner haben den Chinesen nicht verziehen, dass sie inzwischen engere Beziehungen zu Südkorea pflegen als mit ihnen. Die Chinesen wiederum verstehen nicht, warum sich die Nachbarn so heftig gegen wirtschaftliche Reformen sperren.

Ungewöhnlich deutlich zeigte die chinesische Regierung denn auch ihren Ärger über den neuerlichen Atomwaffentest: Dieser sei eine Missachtung der internationalen Gemeinschaft und des eigenen Ziels, alle Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel abzuschaffen, erklärte das Außenministerium.

Chinas Koreaexperten sind sich mit amerikanischen und anderen Fachleuten einig, dass die Nordkoreaner mit ihrem Atomprogramm und den Raketentests nur ein Ziel haben: stark und unangreifbar zu erscheinen, damit sie die Amerikaner zwingen können, endlich ernsthaft über einen Friedensvertrag und die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zu verhandeln.

China wünscht sich ein Nordkorea, das ihm selbst ähnelt: kapitalistisch, aber autoritär geführt, stabil und profitabel. Und kaum etwas fürchtet China so sehr wie einen Zusammenbruch Koreas mit Flüchtlingsströmen, marodierenden Soldaten oder Generälen und Wissenschaftlern, die ihr Atom-Know-how meistbietend verscherbeln. Deshalb wurde Kim Jong Il oft eingeladen, sich die chinesischen Sonderwirtschaftszonen anzuschauen. Geholfen hat es nicht.

Das Dilemma für China ist, dass sich Amerikaner und Nordkoreaner derzeit partout nicht näherkommen. Beide manövrieren, stellen Bedingungen, fürchten um ihr Gesicht. Und die Situation wird immer bedrohlicher.

Was passiert, wenn nach dem Tod des "Lieben Führers" das Land im Chaos versinken sollte? Über ein solche Möglichkeit können die Chinesen mit den anderen Nachbarn nicht einmal reden - die Nordkoreaner würden es sofort als Affront werten. Auf der anderen Seite sähe es China nicht gern, wenn ein eng mit den USA verbündetes Gesamtkorea entstünde. Sanktionen haben die nordkoreanische Führung bislang wenig beeindruckt. So bleiben China nur die diplomatischen, aber etwas hilflos wirkenden Formeln, mit denen es alle Seiten zu "Beratung und Dialog" aufruft.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de