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■ ScheibengerichtChilenisches Revolutionslied

Frederic Rzewski: The People United Will Never Defeated! (Hat Art CD 6066)

Ein Thema zum Mitpfeifen. Ebenso bekannt wie die Marseillaise, ebenso schwankend zwischen trotzigem Aufbegehren, das die Fäuste zum Himmel schnellen läßt, und mitleidender Ergriffenheit, die die Hand gerührt zum Herzen führt. Die Solidarität mit den Elenden und Unterdrückten hat ja viele Gesichter, Haltungen und Gefühle.

Frederic Rzewski hat in nicht weniger als 36 Variationen für Klavier solo dem chilenischen Revolutionslied (im Original: „El pueblo unido jamás será vencido!“) erstaunlich viele verborgene Charakterzüge abgerungen. Vom arglosen Volk kündet das erste Auftreten der Melodie, schlicht harmonisiert, als sei es von einer Gitarre begleitet. Doch bald schon wird sie in die Münder vieler gelegt, kocht auf zum tausendstimmigen Protest, schlägt um in einen Tumult aufgebrachter Volksmengen, der durch Gewalt zerstreut wird. Da – der Deckel des Klaviers schlägt zu (die Tür der Gefängniszelle?). Stille. Mit brüchigem Ton pfeift der Isolierte, was zu singen er nicht wagt. Und so fort...

Jede Variation ein Bild, jedes Bild ein Drama. Neben den heftig bewegten Passagen finden sich die stilleren Töne und die grüblerischen, die sentimentalen und die pathetischen und auch manche dröhnende Rhetorik, das politische Pendant der Virtuosität.

Diesseits der Metapher bleibt ein über einstündiges Klavierwerk in der Tradition der riesigen Variationszyklen Beethovens, Schumanns und Brahms', in dem Rzewski nicht nur kompositorisches Handwerk und, da er sein Werk selbst spielt, phantastische Brillanz beweist, sondern auch, wohinein jede Entwicklung der naiven Seele im Fegefeuer des Dramas mündet: Charakter.

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