CSU-Parteitag: Harmonie und Hysterie

Die CSU feiert Armin Laschet wie einen Erlöser. Doch diese Show schafft es nicht, die Abgründe zwischen den Schwesterparteien zu verdecken.

Markus Söder, links im Bild, steht hinterm Pult und zeigt mit seinem linken Arm Richtung Armin Laschet, der auf dem Podium steht

Laschet bei der CSU: Einigkeit und Recht und Zwietracht Foto: dpa

Ein Parteitag zwei Wochen vor der Wahl ist eigentlich kein Parteitag, sondern Etikettenschwindel: eine PR-Veranstaltung in der Form eines Parteitages. Es ist eine Inszenierung, in der es Geschlossenheit und Dringlichkeit zu vermitteln gilt. Die CSU hat Armin Laschet acht Minuten lang applaudiert, sie hat ihn gefeiert wie einen Messias, einen Star, der alle Hoffnungen der Union verkörpert.

Das Ganze wirkte wie die Familienfeier eines alten Ehepaares, das knapp vor der Scheidung steht, aber gezwungenermaßen den Schein wahrt und ordnungsgemäß glücklich wirkt. Obwohl alle, Akteure und Publikum, wissen, dass sie Theater spielen, fällt niemand aus der Rolle.

Diese Eintracht zwischen Söder und Laschet ist aus purer Not geboren. Die CSU schützt sich damit gegen den Vorwurf, den Kandidaten im Fall einer Niederlage nicht beherzt unterstützt zu haben. Der Graben zwischen CSU und CDU ist aber noch immer so tief wie seit der Flüchtlingskrise nicht mehr. Dass Laschet die CSU in Bayern in Umfragen nach unten zieht, wird in München besonders übel genommen.

Söder hält den CDU-Chef für ungeeignet und sich selbst für den fähigeren Kanzlerkandidaten. Daran ändert die Nürnberger Harmonieshow nichts, ihr Überschwang stand in krassem Widerspruch dazu reine Pflichtveranstaltung zu sein. Die Eintracht kommt viel zu spät, um auch nur einen Hauch Glaubwürdigkeit beanspruchen zu können. Alle wissen: Wenn die Union nicht stärkste Partei wird, wird es in zwei Wochen eine Nacht der langen Messer geben.

Und Armin Laschet? Er spielt, nachdem die Rolle des freundlichen Onkels abgesetzt ist, den aggressiven Angreifers gegen die linke Flutwelle, die das Land zu überspülen droht. Nicht nur sein Verständnis von Volkspartei ähnelt dem von Helmut Kohl, er beherrscht wie Kohl auch die dumpfe wirkende Attacke auf den Gegner.

Laschets Behauptung, dass die SPD seit 1949 in allen zentralen Fragen falsch lag, ist eine Geschichtsklitterung, bei der auch konservative HistorikerInnen nur den Kopf schütteln. In diesem Geschichtsbild ist von der Ostpolitik bis zur Bildungsreform, vom Staatsangehörigkeitsrecht bis zum rot-grünen Atomausstieg alles heraus retuschiert, das nicht das copyright der Union trägt.

Hier kommt die Hybris der Staatspartei Union zum Ausdruck, die sich selbst mit der Republik verwechselt. Diese Attacke, maßlos und selbstbezüglich, hat etwas Hysterisches. Denn Laschet formuliert sie genau in dem Moment, in dem die Illusion, dass die Union einen natürliche Anspruch auf das Kanzleramt hat, verfliegt.

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Stefan Reinecke leitet das Meinungsressort der taz und arbeitet als Autor im Parlamentsbüro mit den Schwerpunkten SPD und Linkspartei.

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