CSU-Kandidatenkür für EU-Wahl: Seehofer boxt Strauß-Tochter durch

Für die CSU geht es bei der Europawahl ums Überleben als überregionale Partei. Trotzdem schickt Parteichef Seehofer eine höchst umstrittene Spitzenkandidatin ins Rennen.

Monika Hohlmeier und ihr neuer Ziehvater, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Bild: dpa

MÜNCHEN taz Auf der Bühne rebelliert die alte CSU. Josef Miller, 61, ist hinter das Rednerpult getrottet. Zehn Jahre lang war er bayerischer Landwirtschaftsminister und agierte dabei so blass, dass es niemandem auffiel, als ihn Horst Seehofer vor wenigen Monaten absetzte. Mit so einer Kandidatenliste könne man nicht zur Europawahl antreten, ruft Miller. Auf Platz 5 gehöre ein Vertreter der Bauern. Die CSU sollte "die Dinge belassen, wie sie bisher waren", fordert Miller.

So kommt es zur Kampfkandidatur: Millers Bauernfreund Albert Deß gegen Seehofers Favoriten, den CSU-Vizechef Ingo Friedrich. Der Bauer gewinnt. In diesem Moment droht die Stimmung auf der Delegiertenversammlung am vergangenen Samstag in München zu kippen. Gegen die neue CSU, gegen Horst Seehofer. Doch dann wirft sich der Verlierer Friedrich vor ihn - er tritt zurück, nach 30 Jahren im EU-Parlament. "Wir haben gerade ein Beispiel für großes menschliches Format erlebt", erklärt Seehofer. Nur um ein Haar ist er zum Start des ersten Wahlkampfs als Parteichef an der großen Schlappe vorbeigerutscht.

Wenn am 7. Juni das neue Europaparlament gewählt wird, steht für Bayerns überambitionierte Regionalpartei das Überleben als politische Kraft in Europa auf dem Spiel. Um den Sprung ins Parlament zu schaffen, muss eine Partei bei der Europawahl bundesweit über die Fünfprozenthürde kommen. Weil die CSU nur in Bayern antritt, heißt das: Ein Ergebnis deutlich über 40 Prozent ist nötig.

Weil in anderen Bundesländern am selben Tag Kommunalwahlen stattfinden und in Bayern die Pfingstferien die Wahlbeteiligung drücken, dürfte es eng werden für die CSU - zumal auch die Freien Wähler mit einem Antritt bei der Europawahl drohen.

Die Wahl sei ein echter Härtetest, sagt Seehofer zu den Delegierten. Monika Hohlmeier ist Seehofers Geheimwaffe, er schickt die 46-jährige Tochter von CSU-Übervater Franz Josef Strauß gegen den Widerstand vieler Parteimitglieder auf dem sicheren Listenplatz 6 im Namen der CSU Oberfranken ins Rennen.

Hohlmeier ist keine Fränkin. Sie hat einen CSU-Bezirksverband geleitet, in dem Stimmen gekauft wurden. Und sie musste als Bildungsministerin zurücktreten, weil sie Parteifreunde mit einem Ordner voller kompromittierender Dossiers erpresst haben soll. Aber dafür ist sie im Gegensatz zu allen anderen KandidatInnen bekannt. Sie habe in der Vergangenheit viele große Wahlerfolge gefeiert, sagt sie. "Ich will mich in einem Jahr, in dem die CSU vor so schwierigen Herausforderungen steht, mit einbringen." Über Inhalte redet sie nicht. Eine Abgeordnete stellt sich ihr in einer Kampfabstimmung entgegen. Aber Hohlmeier gewinnt, mit 165 zu 115 Stimmen. Und Horst Seehofer lächelt.

BERNHARD HÜBNER

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