Bundesliga: Ein komischer Sieg für Hertha

Beim Bundesligaspiel in Mönchengladbach gewinnt Hertha BSC mit 1:0. Nach dem Spiel suchen die Verantwortlichen nach Entschuldigungen: Nicht berauschend, meint Manager Dieter Hoeneß. Kapitän Arne Friedrich sieht Reife am Werk.

Hertha gegen Gladbach: Arne Friedrich (Mitte) schaut zu Bild: AP

Hertha ist eine große Mannschaft. Muss sie sein. "Das war kein berauschender Sieg", entschuldigte sich lächelnd Dieter Hoeneß. Für ein 1:0 bei Borussia Mönchengladbach. Potz Blitz!, welch Selbstanspruch. Ein schnöder Dreier reicht schon fast nicht mehr.

Aus diesem Selbstbewusstsein sind Meistermannschaften gestrickt. Wie des FC Bayern München etwa, des großen Klubs seines "großen" Bruders Uli, dessen Heimklatsche gegen Werder Bremen er auf den Monitoren im Gladbacher Presseraum beinah amüsiert beobachtete.

Ambitioniert ist er, der Dieter Hoeneß. Immer noch - nach all den Rückschlägen. Und in der Tat gibt es Anzeichen, dass die laufende Spielzeit eine besondere werden könnte. Der endgültige und so lang ersehnte Vorstoß zu den Großkopferten der Liga etwa? Eine Interpretation der 92 Minuten vom Niederrhein lässt dies fast vermuten.

Das Plus an Toren und Spektakel, was der Hertha-Manager entschuldigend vermisste, hätte - zwar ansehnlich - die so entdeckte Qualität zerstört: Cleverness. Das mag auch Arne Friedrich gedacht haben, als er immerhin konstatierte: "Wir haben heute etwas reifer gespielt als in den letzten Partien."

Nicht sonderlich schwer gegen einen deutlich unreifen Gegner, der immer noch mehr mit sich selbst als dem Gegner zu kämpfen hat. Aber weil ein Trainer auch immer der Promoter in eigener Sache ist, sah Lucien Favre das etwas anders. "Das war ein sehr schwieriges Spiel für uns", verdeutlichte er den Mehrwert der vermeintlich so schnöden Punkte. "Wir haben gegen eine schwierige Mannschaft gespielt", sagte Favre. Um dann anschaulich diese Schwierigkeiten zu benennen. "Sie kämpfen, sie laufen, sie sind mit Kontern gefährlich."

Da mögen sich manch gestandenem Fußballprofi schon die Nackenhaare gesträubt haben. Zum Glück war diese Riesenprüfung gerade schon erfolgreich bestanden. Und um die Gruselgeschichte auch im Nachhinein für sensiblere Charaktere nicht ganz so unerträglich zu machen, schränkte der Schweizer diese Schreckensqualitäten zeitlich ein. "Zehn Minuten waren sie gefährlich."

Das waren die ersten des Spiels. Und dass diese Qualepisode nicht zu sehr ausgedehnt wurde, dafür sorgte Goijko Kacar. Man kann nicht sagen, widerwillig. Aber doch beinah gezwungenermaßen. "Ein spezieller Tag für mich", ordnete er seinen Treffer später ein. Und ein spezielles Tor mit einer speziellen Entstehung. Cicero hatte den serbischen Abwehrspieler auf den Weg geschickt Richtung Gladbacher Strafraum. Verfolger Marko Marin war Kacars Sprint wohl irgendwie zu anstrengend, er zuckelte lieber widerwillig hinterher.

Fürs ganz Spezielle aber war Filip Daems in dieser Szene zuständig. Borussias - eigentlich starker - Innenverteidiger öffnete für den heranstürmenden Serben den Korridor, in den Kacar hineingesogen wurde wie in einen Unterwasserwirbel.

Der wunderte sich zwar, "dass man in der Bundesliga so frei stehen kann". Aber war dennoch so frei, dieses Sonderangebot anzunehmen und nonchalant den Ball am machtlosen Torhüter Christofer Heimeroth vorbei zu versenken.

Hinterher versuchten die schon so früh im Tabellenkeller versackten Gladbacher, sich an den zwei Pfostentreffern von Oliver Neuville festzuhalten. Der hatte erstmals nach seiner Verletzung in der Startformation gestanden. Unterdessen gestattete sich der Hertha-Manager sogar, indirekt seinem Trainer zu wider- und das auszusprechen, was alle 43.193 Zuschauer (Beteiligte wie Trainer und Sportdirektoren werden nicht mitgezählt) empfunden hatten: "Richtige Gefahr war eigentlich nie da."

Dafür sorgte auch ein buchstäblich überragender Josip Simunic: Der Abwehrrecke war dem Freund sein bester Feind: Kaum ein gewonnenes Kopfballduell für Borussias kanadischen Sturmhünen, kaum eine brenzlige Szene bei 12:2 Ecken aus Gladbacher Sicht. Also doch ein schwieriges Spiel, wie Favre meint? Oder etwa ein spezieller Tag, nicht nur für Torschütze Kacar? Womöglich aber auch das, was Irrläufer Filip Daems abschließend glaubte: "Ein komisches Spiel."

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de