Bundesliga-Fernsehrechte: Zu viel Kirch im Konzept

Der Vorstand der Deutschen Fußball Liga (DFL) will zusammen mit Leo Kirch die Fernsehrechte der Bundesliga vermarkten. Nun aber revoltieren die Vereine.

Die Rückkehr des Pleitiers Kirch? Bild: ap

Offenbar hatte Christian Seifert die Skepsis der Manager aus dem Profifußball massiv unterschätzt. Als der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) seinen Vortrag vor den Herren aus den Klubs beendet hatte, bereiteten die Angestellten der DFL schon fleißig die öffentliche Präsentation des Konzeptes vor, das Leo Kirchs Rückkehr auf das strahlende Parkett des Fußballgeschäfts ebnen sollte. Doch auch drei Stunden nach dem anberaumten Termin für die Pressekonferenz wurde im Festsaal des edlen Hotels Frankfurter Hof am gestrigen Dienstag immer noch eifrig gestritten.

Dem Vernehmen nach ging es um folgende Inhalte: Wie die Onlineausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gestern Mittag vermeldete, hatte der Vorstand des Ligaverbandes sich offenbar am Montagabend darauf geeinigt, gemeinsam mit Leo Kirch ein Unternehmen namens Sirius zu gründen. 51 Prozent dieser Firma sollten Kirch gehören, 49 Prozent sollte die Liga halten. Der Plan sah vor, gemeinsam die TV-Rechte zu vermarkten, also an Free-TV- und Pay-TV-Sender weiterzuveräußern. Die Onlinerechte sollten bei der Sirius bleiben und an Onlineplattformen verkauft werden. Dieses Szenario hätte für die Rechte an den beiden Bundesligen für die drei Jahre zwischen 2009 und 2001 insgesamt 1,5 Milliarden Euro in die Kasse der DFL gespült. Beim letzten Abschluss hatte der Verband noch 1,26 Millionen Euro verteilt. Die Klubs hätten also 240 Millionen Euro zusätzlich unter sich aufteilen können, eine Steigerung um ungefähr 20 Prozent.

Offenbar hatten DFL-Geschäftsführer Seifert und seine Gefolgsleute fest damit gerechnet, dass dieses finanziell höchst lukrative Angebot von den Klubvertretern mehr oder weniger widerstandslos durchgewunken werde. Doch so einfach war es dann doch nicht, am Dienstagnachmittag dementierte die DFL die Meldung der FAZ. Es war eine kontroverse Diskussion entbrannt, über deren konkrete Inhalte zunächst nichts durchsickerte. Doch ein Teilnehmer sagte: "Das geht alles nicht so glatt, wie wir das alle erwartet hatten." Ein anderer Funktionär sprach von einer "historischen Sitzung".

In einer Kaffeepause formierten sich dann rege debattierende Grüppchen von Fußballmanagern. Offenbar hatte Seifert die Stimmung an der Basis seines Verbandes massiv falsch eingeschätzt. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war noch kein Ergebnis verkündet worden, doch alles deutete darauf hin, dass die Entscheidung über die Rückkehr Kirchs ins Geschäft mit der Bundesliga noch einmal verschoben wird. Und auch die Folgen des Schadens, den der DFL-Vorstand genommen hat, waren noch nicht abzusehen. Nur der aufs Höchste angespannten Miene des sonst so gelassenen Christian Seifert war anzusehen, dass er diesen Tag nicht so schnell vergessen wird.

Wahrscheinlich steckte doch einfach zu viel Leo Kirch in Seiferts Konzept, der seine eigene Karriere selbst Mitte der 90er-Jahre im Imperium des Moguls begonnen hatte. Denn wie bei seinen früheren Geschäften mit den Fußballrechten hat Kirch auch diesen Coup von langer Hand aus dem Verborgenen heraus vorbereitet. Über eine Frankfurter Investmentbank erwarben Kirch und sein Adlatus Hahn in den vergangenen Jahren rund ein Drittel der Firma Highlight, die wiederum die TEAM, den Vermarkter der Champions League, besitzt. Nun verkauften sie ihre Highlight-Anteile an EM.Sport, erhielten dafür 120 Millionen Euro und 11 Prozent an der Firma, die unter anderem das DSF und die Produktionsfirma Plazamedia besitzt. Erst mit diesem Deal hatte sich Kirch im Sommer 2007 aus dem Schatten seines Niedergangs zurückgemeldet. Und überall in diesen Firmen sitzen alte Kirch-Vertraute an den Schaltstellen.

Das Konstrukt trägt unverkennbar die klassischen Züge Kirchschen Wirtschaftens, es wird mit Anteilen gedealt, Gelder fließen hin und her, Außenstehende kommen kaum ohne komplexe Organigramme aus, um die Verstrickungen verstehen zu können. In dieses Konglomerat will sich die Bundesliga offenbar nicht so einfach wieder einbinden lassen.

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