Borussia Mönchengladbach: Aufwärts mit Alberman

Mönchengladbach bekommt Verstärkung: Und zwar von Israels Spieler des Jahres. Der Mittelfeldspieler ist erst der vierte Israeli in der Bundesliga-Geschichte.

Kräftiger als er aussieht und kein bisschen eitel: Gal Alberman (links). Bild: dpa

MÖNCHENGLADBACH taz Damals, im Frühling, als der Anruf aus Mönchengladbach kam, hatte er sich gar nicht gewundert. "Unser Fußball", sagt Gal Alberman, ist in den letzten Jahren um Etliches besser geworden. Warum sollen dann nicht auch ein paar Spieler mehr ins Ausland wechseln?" Vor ein paar Jahren berief ihn Avram Grant, der damalige Nationalcoach, der später Chelsea bis ins Finale der Champions League führte, in die Nationalmannschaft. Mit 19 Jahren absolvierte Gal Alberman erste Länderspiele. Er ist einer von zwei israelischen Internationalen, die in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag sind. Der defensive Mittelfeldspieler und sein Kollege im Angriff, Roberto Colautti, sollen ein wenig von dem Aufschwung, den das Nationalteam seit ein paar Jahren verzeichnet, ins Team der Borussia bringen.

Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Alberman, der im bisherigen Saisonverlauf eine wechselhafte Performance aufweist, ist ein Kicker moderner Prägung: Wer ihm zuschaut, der fragt sich rasch, wie er es fertigbringt, seinem nicht eben kräftig wirkenden Körper diese Zweikämpfhärte abzuringen. Alberman braucht nicht lange, um einen klugen Pass zu spielen. Eitelkeit auf dem Spielfeld ist ihm fremd. Trainer Jos Lukhukay preist den Neuzugang als Teamspieler. Solche Wertschätzung hat Alberman, ausgezeichnet als israelischer Fußballer des Jahres und neben dem Liverpooler Yossi Benayoun der herausragende Mittelfeldspieler der von Dror Kashtan trainierten Nationalmannschaft, dem Kollegen Colautti noch voraus, obschon der ehemalige Mönchengladbacher Trainer Hans Meyer einmal sagte, niemand habe bisher erkannt, was wirklich in diesem Strafraumangreifer steckt. Verletzungen machten es ihm seit seiner Ankunft in Gladbach nicht leichter, sich als Alternative zu Rob Friend und Oliver Neuville im Angriff zu empfehlen. Im Nationalteam ist ihm ein Stammplatz sicher, was bei einer Mannschaft, die in der letzten EM-Qualifikationsrunde Frankreich ärgerte und die in ihrer Gruppe kein Spiel verloren hatte, ein ordentlicher Leistungsausweis ist. Deswegen, sagt Alberman, wäre es heute auch möglich, einen Trainer wie Lothar Matthäus nach Israel zu holen. Man hat in den letzten Jahren eben einiges für den Ruf getan.

Colautti kam nicht auf direktem Weg in die israelische Auswahl: Er stammt aus Argentinien, er verfügt auch über einen italienischen Pass. Via Heirat gelangte er an die israelischen Papiere. Angesichts von Kontrahenten wie Luca Toni auf der einen und Lionel Messi auf der anderen Seite war es nur zu verständlich, dass er den Weg in die israelische Auswahl wählte. Dass er in Gladbach bisher noch nicht reüssieren konnte, lag auch an Verletzungen, die ihn immer wieder zurückgeworfen haben. Aufsehen hatte der 26-Jährige bei seiner Ankunft erregt: Die Welt empfing ihn mit einem Text, der die Frage aufwarf, ob ein Israeli ein Sicherheitsrisiko in der Liga darstelle, und zudem beharrlich um das scheinbare Rätsel kreiste, warum bis zu jenem Zeitpunkt erst drei israelische Profis den Weg in die Bundesliga gefunden hätten. Dass die Antwort möglicherweise in einem historisch nicht ganz unproblematischen Verhältnis zu suchen wäre, wurde erst gar nicht in Erwägung gezogen.

Verbindungen zu Israel sind allerdings für die Borussia nicht neu. In den frühen Siebzigerjahren pflegte der damalige Manager Helmut Grashoff einen regen Kontakt zum israelische Nationaltrainer Emmanuel Schaffer, den er während der Trainerausbildung in Deutschland kennen gelernt hatte. Diverse Israelreisen des Klubs folgten, die Nationalmannschaft war ein ebenso geschätzter wie stets chancenloser Gegner, der einmal sogar eine 0:6-Niederlage hinnehmen musste. 1972 verpflichtete Mönchengladbach in Shmuel Rosenthal den ersten und lange Zeit einzigen israelischen Bundesliga-Profi (ihm folgte 13 Jahre später David Pizanti in Köln), der allerdings Schwierigkeiten hatte, in ein Team zu finden, das seinerzeit in Sachen Spielkultur die europäische Spitze markierte.

Als Alberman eintraf bei seinem neuen Klub, war er bestens vorbereitet. Er wusste sehr genau, wann Mönchengladbach den ersten Meistertitel erringen konnte, auch Günter Netzer, der legendäre Spielgestalter, war ihm kein Unbekannter. Beinahe prophylaktisch erklärt er: "Ich spiele hier, weil ich Fußballprofi bin und nicht, weil Borussia Mönchengladbach seit langem Kontakte nach Israel hat", sagt Alberman, der seinen Deutschlandaufenthalt nicht zur diplomatischen Mission werden lassen will und der nüchtern über anstehende Aufgaben spricht. Ziele nennt er nicht "goals", sondern "targets", was zum einen auf einen mehrjährigen Militärdienst hindeutet und nebenbei die Absicht bekräftigt, in der Bundesliga mehr als nur eine Statistenrolle spielen zu wollen.

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