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„Bomben auf Moskau“

■ Präsident Dudajew bittet die Türkei um Militärhilfe / Ankara will vermitteln

Istanbul (taz) – Der Einmarsch der russischen Truppen in Tschetschenien und die Bombardierung der tschetschenischen Hauptstadt Grosny gehört zu den Themen, die in den islamistischen Medien in der Türkei in den Vordergrund gerückt werden. Ergreifende Bilder von getöteten Tschetschenen, russische Panzer in Angriffsposition werden immer wieder abgebildet. Die Bombardierung Grosnys erscheint hier als Bestätigung des historischen Verständnisses, daß Rußland stets ein „Todfeind“ der Türkei gewesen sei.

Die Bevölkerung der Türkei steht mehrheitlich auf Seiten der Tschetschenen. Schließlich sind über eine Million türkischer Staatsbürger kaukasischer Herkunft, unter ihnen auch rund 30.000 muslimische Tschetschenen. Eine so prominente Figur wie der frühere türkische Generalstabschef Dogan Güres ist tscheschenischer Abstammung, und schon immer haben tschetschenische Heimatverbände in der Türkei Politik betrieben. Tschetscheniens Präsident Dschochar Dudajew ist mehrfach in die Türkei gereist und unterhält enge Beziehungen zu Alpaslan Türkes, dem Vorsitzenden der faschistischen „Nationalen Aktionspartei“.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Tschetschenen an die Türkei. Anfang der Woche gab Dudajew türkischen Fernsehjournalisten ein Interview, in welchem er militärische Unterstützung fordert: „Die Türkei muß uns helfen. Wovor habt ihr Angst? Die Russen bombardieren Grosny. Ihr habt Flugzeuge mit großer Reichweite. Gebt sie uns, damit wir Moskau angreifen.“ In Grosny will man die Türkei als mächtigen, hilfsbereiten Bruder sehen.

Doch Ankara will davon nichts wissen. Im türkischen Außenministerium haben die Realpolitiker das Sagen. Zwar wird das Vorgehen Rußlands verurteilt. Doch letztendlich stellt man sich auf den Standpunkt der „Nichteinmischung“ in die inneren Angelegenheiten Rußlands. „Der Konflikt muß gelöst werden unter Berücksichtigung der territorialen Integrität der russischen Föderation“, betont der Sprecher des Außenministeriums – und bietet die Türkei als Vermittler zwischen den Konfliktparteien an. Außerdem will Ankara die russische Regierung bitten, ihr humanitären Hilflieferungen an die tschetschenische Zivilbevölkerung zu ermöglichen.

Die Zurückhaltung hat ihre Gründe. Die Befürchtung, daß bei einer türkischen Unterstützung für die Tschetschenen Rußland kurdische Guerilleros unterstützen könnte, ist groß. Das Gespenst des „Separatismus“ geht auch in der Türkei um. Ömer Erzeren

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