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Blöd geblieben

■ O'Caseys Komödie „Das Ende vom Anfang“in den Kammerspielen

Als die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau noch klar wie frisches Wischwasser war, hat der irische Dramatiker Sean O'Casey 1938 seine Slapstick-Komödie Das Ende vom Anfang geschrieben. Daß ein Mann darin einen Tag lang den Haushalt führt, während seine Frau draußen die Wiese mäht, mag damals revolutionär gewesen sein. Heute entlockt der Plot allenfalls ein müdes Grinsen – doch seine Situationskomik sorgt immer noch für brüllende Lacher.

Zumindest in der Inszenierung von B.K. Tragelehn, die vor zehn Jahren am Münchner Volkstheater Premiere feierte und jetzt als Gastspiel in den Kammerspielen zu sehen ist. Mit Heinz Werner Kraehkamp als dicker Ehemann Darry und Michael Altmann als dessen dünner Freund Barry ist ein Komikerpaar am Werk, das langsam, aber sicher das ganze Theater zum Gackern bringt, nachdem anfängliche Längen überwunden sind: Lizzie (Hürdem Riethmüller) minutenlang beim Putzen und Bügeln zuzugucken, während ihr Ehemann noch im Bett schnarcht ist nämlich so aufregend wie selber putzen und bügeln.

Doch sobald Freund Barry mit Gehstock auftaucht, entfaltet sich britischer Humor in Bestform um zwei skurrile Typen, deren geballte Beschränktheit die Tücke des Objekts nicht aufhebt, sondern verdoppelt. Zum Schluß schwingt sich der sonst so unsportlich daherschlurfende Heinz Werner Kraehkamp sogar zu akrobatischen Höhenflügen auf. Tisch, Stuhl und Hocker aufeinandergestapelt, steigt er sicher in luftige Höhen, um eine neue Birne in die Lampenfassung zu schrauben. Doch geistig bleiben er und sein Kompagnon auf Dick-und-Doof-Niveau. Als Darry eine Überschwemmung stoppen will, dreht er nicht etwa den Wasserhahn zu, sondern stellt einen Eimer unters überlaufende Waschbecken.

Denken nicht für fünf Pfennig, hätte meine Mutter dazu gesagt. So sind sie eben, die Männer. Daran hat sich seit 1938 nichts entscheidend geändert. Karin Liebe

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