piwik no script img

Birne statt Kohl-Plantage

■ Aktionskünstler Ben Wargin will Teile des Mauerstreifens bepflanzen / Ans Brandenburger Tor ein Birnenbaum vom Bürgermeister / Pestizide problematisch

Bei Trasse denkt man Autobahn. Aber warum nicht den Mauerstreifen als „Europa Baum Denk-Trasse“ nutzen? Ben Wargin, Aktionskünstler, will jedenfalls fortsetzen, was er mit 6.000 Grinkgo-Bäumen in Kiel, Köln, Kassel, dem KuDamm und auf der Mülldeponie Wannsee vor Jahren begonnen hat: Pflanzen. Mittlerweile beschäftigt aber nicht mehr nur er sich mit seinem ökologisch-künstlerischen Anliegen. Seinen Angaben nach wollen nun von beiden Seiten des Betons Bezirkspolitiker nach Plätzen für die Pflanzen Ausschau halten. Auch die Berliner Umweltverwaltung hat Wargin einen Brief geschrieben, indem sie ihm rät, erst mal Bodenproben zu ziehen und sie auf Pestizidrückstände zu untersuchen. 28 Jahre wurde das Insektengift tonnenweise auf den Todesstreifen gekippt.

Wie man den Giften den Garaus macht, weiß Wargin noch nicht. Damit überhaupt etwas wächst, muß der Boden möglicherweise ausgetauscht werden. Nicht überall, denn pflanzen will Wargin nur an den Grenzübergängen. Die Aussaat an dieser Mini-Infrastruktur zwischen Ost und West soll aber nicht unsystematisch vonstatten gehen. Einzelne Baumarten sollen „versinnbildlichen“, wo man sich befindet. An stadtnahen Übergängen sollen eher Alleen die Bedeutung der verbindenden Straßen betonen, an stadtfernen sollen die traditionellen Bäume andeuten, wie es hier einst aussah. Gegenüber vom Goethe-Denkmal in der Nähe des Brandenburger Tores soll Bürgermeister Momper am 21. März einen Birnbaum pflanzen - Denkmal für Fontanes „Ribbeck“. Goethe soll auch einen Baum bekommen.

Dirk Wildt

Am Donnerstag beginnt die Ausstellung zur „Europa Baum Denk-Trasse“ im Berliner Pavillion.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen