Bio-Bistro: Kuchentheke sichert Zukunft

Im Berliner Bioladen "Ökotussi" gibt es zwar auch Obst und Gemüse - richtig viel Geld bringen aber das Suppenangebot und ein Café. Ein Beispiel, wie kleine Läden überleben können.

Weniger Apfelsorten, dafür mehr Biokuchen - das Erfolgskonzept der Ökotussis. Bild: dpa

In der Ecke kocht eine Gemüsesuppe in einem Topf, die Kaffeemaschine surrt, an hohen Tischen essen Angestellte einer Rechtsanwaltskanzlei und anderer Büros um die Ecke - der Berliner Bioladen "Ökotussi" wirkt auf den ersten Blick eher wie ein Café.

Das ist das Geschäft auch, aber in den hinteren beiden Räumen stehen unter anderem Holzkästen mit Weinflaschen, Kisten mit Obst und Gemüse sowie Regale voller Müslitüten.

Mittlerweile machen die drei Inhaberinnen Ruth Siewert, Tanja Rabe und Karin Siewert schätzungsweise 40 Prozent des Umsatzes mit dem vorderen Teil ihres Ladens, wo sie neben Getränken unter anderem eine Tagessuppe, Salat und Aufläufe verkaufen.

"Das hat uns den Kragen gerettet", sagt Karin Siewert bei einem Kaffee aus der eigenen Espressomaschine. Denn wie viele andere kleine Bioläden war auch das 65 Quadratmeter große Geschäft im Viertel Kreuzberg in seiner Existenz bedroht, als die drei Frauen vor einem Jahr das Ruder übernahmen. Nur eine Straße weiter steht einer der gigantischsten Bio-Supermärkte Europas, die 1.400 Quadratmeter große LPG am Mehringdamm. Sie kann mehr Auswahl und niedrigere Preise anbieten. Unternehmensberater empfehlen kleinen Läden in solchen Fällen oft, lieber weniger Produkte anzubieten und dafür ein Bistro zu eröffnen. Genau das haben Siewert und ihre beiden Mitstreiterinnen getan.

In ihren Regalen steht nun von vielen Waren nur noch eine Marke. Manche Sachen, die sich nur selten verkaufen, sind ganz herausgeflogen. Dafür haben die "Tussis" den Bistrobereich ihres Ladens bereits zweimal erweitert. Im vorderen Raum haben sie einen großen Verkaufstresen mit Vitrinen voller Kuchen und Tomatenstangen aufgebaut, an die hohe Decke einen Kronleuchter und vier Kugelleuchten gehängt. Inzwischen können die Inhaberinnen nach eigenen Worten gut von ihrem Geschäft leben und von den Erlösen sogar zwei 400-Euro-Jobber finanzieren. "Wir haben unsere Nische gefunden", sagt Siewert.

Ihre schwarze Schürze mit der rosa Aufschrift "Ökotussi" trägt die 35-Jährige mit Stolz. "Mit dem Namen wollen wir die Biotour so ein bisschen auf die Schippe nehmen. Wir wollen nicht so dogmatisch sein und die Lebensfreude nicht vergessen."

Siewert grüßt denn auch sehr freundlich jeden, der den Laden betritt, selbst wenn sie gerade nicht bedient. Und wenn Ben & Jerrys Eiscreme gut schmeckt, dann landet die in dem rappelnden Tiefkühler der Ökotussis - auch wenn sie kein Bio-Siegel hat.

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