Bildung: Flüchtlingskindern droht schulfrei

Kürzungen und Schulfusionen gefährden spezielle Schulklassen für jugendliche Flüchtlinge. Der Flüchtlingsrat protestiert.

Sie wollen alle gerne zur Schule gehen. Bild: DPA

Berliner LehrerInnen und der Flüchtlingsrat sorgen sich um die Bildungschancen jugendlicher Flüchtlinge. Eine "drastische Kürzung der Fördermöglichkeiten" bedrohe den Fortbestand spezieller Eingliederungsklassen für diese Schülergruppe, heißt es in einer Pressemitteilung des Flüchtlingsrates Berlin.

Bislang nahmen solche an Hauptschulen eingerichteten Kleinklassen SchülerInnen auf, die aufgrund fehlender Deutschkenntnisse am Unterricht in Regelklassen nicht teilnehmen konnten. Es handele sich dabei um Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge oder per Familiennachzug nach Deutschland kämen, erklärt Walid Chahrour vom Arbeitskreis Jugendliche Flüchtlinge des Flüchtlingsrats: "Sie können kein Wort Deutsch, manche sind Analphabeten und müssen erst Lesen und Schreiben lernen."

Mehrere hundert solcher SchülerInnen besuchten derzeit die Schulen, schätzt Chahrour. Ausreichend Schulplätze habe es für sie nie gegeben: "Wir haben immer um Plätze betteln müssen", sagt der Flüchtlingsberater. Durch Kürzungen bei der Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften sowie durch Schulfusionen im Rahmen der Schulreform sieht der Flüchtlingsrat den Fortbestand der Spezialklassen nun grundsätzlich bedroht.

Christiane Thöne, Lehrerin an der Pommern-Hauptschule in Charlottenburg-Wilmersdorf, bestätigt dies. In vier Klassen mit je 15 SchülerInnen werden junge Flüchtlinge an ihrer Schule unterrichtet. Viele schafften den Übergang in "normale" Klassen, "manche haben wir sogar auf Gymnasien schicken können", sagt Thöne. Die Pommernschule hat langjährige Erfahrung mit der Eingliederung dieser besonderen SchülerInnen in den Regelschulbetrieb. "Aber wir wissen nicht, was mit den Klassen im nächsten Schuljahr passieren wird", sagt die Lehrerin. Mit der Schulreform wird die Pommernschule mit einer Realschule zur Sekundarschule fusionieren. Für die jetzige Hauptschule bedeutet dies eine schlechtere Ausstattung mit Lehrkräften als bisher: "Wir wissen nicht, wie wir die Lehrerstunden für die Kleinklassen zusammenkratzen können", so Thöne.

Der sogenannte Dispositionspool, aus dem Schulen mit Flüchtlingsklassen bisher zusätzliche Lehrerstunden bekommen konnten, sei schon in den vergangenen Jahren massiv gekürzt worden, klagt Thöne. Nun habe die Schulverwaltung seine komplette Streichung angekündigt, heißt es aus der Bildungsgewerkschaft GEW.

Für Walid Chahrour ist das nicht hinnehmbar: "Diese Kinder und Jugendlichen kommen nach Berlin mit der Hoffnung, hier ein neues Leben beginnen zu können", sagt er. Sie hätten ein Recht auf faire Bildungschancen. Tatsächlich ist die Förderung nicht deutsch sprechender Schüler in besonderen Lerngruppen im Berliner Schulgesetz ausdrücklich vorgesehen. Von der Senatsschulverwaltung war am Freitag zu dieser Problematik keine Stellungnahme zu bekommen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de