Biathlon Massenstart: Noch mal Gold für Neuner

Mit einem nervenstarken letzten Schießen und einer hervorragenden läuferischen Leistung setzt sich Magdalena Neuner beim 12,5 Kilometer Biathlon Massenstart durch.

Freude: Magdalena Neuner beim Einlauf ins Ziel. Bild: reuters

WHISTLER taz | Auf den letzten Metern bis zum Ziel wollte Magdalena Neuner ihre Freude nicht mehr zügeln. Immer breiter wurde das Grinsen der 23-Jährigen, immer weiter öffnete die schnelle Frau aus dem oberbayrischen Wallgau ihren Mund und freute sich. Die Russin Olga Saizewa und Neuners Teamkollegin Simone Hauswald waren hinter ihr zwar schon zu sehen – allerdings waren sie nicht nah genug, als dass Neuner noch irgendwas zu befürchten gehabt hätte.

Unbehelligt von den beiden, rutschte die Biathletin mit der Startnummer 2 schließlich mit 5,5 Sekunden Vorsprung auf Saizewa und 7,3 Sekunden vor Hauswald über die Ziellinie – und schon wieder als Olympiasiegerin. Bei ihrer Olympia-Premiere hatte sie nach ihrer Silbermedaille im Sprintrennen in der Verfolgung bereits Gold gewonnen, und mit dem Sieg im Massenstart schwang sich die Jüngste im sechsköpfigen Team der deutschen Biathletinnen nun endgültig zum Star unter den olympischen Skijägerinnen auf.

Am Donnerstag, beim Einzel, hatte Magdalena Neuner noch ein wenig mit den direkten Nachwehen ihren Medaillenfeiern zu kämpfen gehabt. Am frühen Sonntagnachmittag aber war sie wieder im Vollbesitz ihrer körperlichen und geistigen Kräfte. Auf ihren Körper – und allen voran ihre geschwinden Beine – konnte sie sich seit ihrem rasanten Start in die Biathlon-Elite vor drei Jahren eigentlich immer verlassen. Doch seit sie ihre hartnäckige Schießschwäche mit Hilfe eines Mentaltrainers bekämpft, ist Neuner auch beim Kampf mit den Kugeln im seelischen Gleichgewicht.

Zu spüren bekam das beim letzten Gang vor den Schießstand vor allem das bis dahin führende Trio mit Saizewa, deren Teamkollegin Olga Medwedzewa und der Slowenin Teja Gregorin. Denn diese drei Damen befiel bei der finalen Übung das große Zittern – auch, weil sie wussten, wer da hinter ihnen zum Schießstand kurvte: Magdalena Neuner, für die die Aufgaben aus dem Stand früher immer die heikelsten gewesen waren. Psychologisch offensichtlich bestens präpariert, schoss sie zum Abschluss wie ein Teufel. Rasend schnell – und vor allem fehlerfrei.

Zwar kam Saitzewa ebenfalls ohne Fehlschuss aus dem Schießstand. Allerdings war ihr schöner Vorsprung auf Neuner in diesem Moment schon auf 7,3 Sekunden zusammen geschmolzen. Bereits am nächsten größeren Anstieg hatte holte die Deutsche die Russin bereits ein, strebte unaufhaltsam dem nächsten Gold entgegen.

Saizewa konnte nicht an Neuner dranbleiben. Stattdessen lieferte sie sich mit der ebenfalls nach vorn preschenden Hauswald bis zum Ziel ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Immerhin in diesem Duell behielt Saizewa die Oberhand. Bundestrainer Uwe Müssiggang aber war dennoch hochzufrieden. „So sehen Champions aus“, lobte er sowohl Neuner wie auch Hauswald – und betonte: „Beim letzten Schießen haben beide extrem gut gearbeitet.“

Die Chancen im beim Olympia-Abschluss für die Biathletinnen am Dienstag im Staffelrennen wären mit Neuner groß gewesen. Allerdings überlegte sie es sich kurz nach dem Rennen, und erklärte überraschend ihren Verzicht auf den Start. Damit könnte es schwer werden, mit der Staffel Gold zu holen, denn die beiden anderen deutschen Starterinnen, Andrea Henkel und Kati Wilhelm, liefen erst auf Rang 9 und 25 ein. Vor allem Witt hatte sich mit einem katastrophalen dritten Schießen aus dem Rennen geworfen.

Doch Neuner hat nun offenbar genug in Vancouver erreicht: „Mit so etwas habe ich vorher überhaupt nicht gerechnet – und schwups, habe ich meine zweite Goldmedaille.“

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de