: Bernhard Worms fühlt sich belogen
CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen mit neuen Vorwürfen gegen Innenminister Schnoor / NRW-Polizisten hätten Geiselnehmer überwältigen können / Worms: „Gravierende Fakten verschwiegen“ ■ Aus Düsseldorf J.Nitschmann
In einer überraschend einberufenen Pressekonferenz erklärte CDU-Oppositionsführer Bernhard Worms am Montag in Düsseldorf, seiner Fraktion seien neue Fakten bekannt geworden, die eindeutig belegten, daß dem Parlament in entscheidenen Punkten „die Unwahrheit gesagt“ worden sei. „Wir fühlen uns belogen und getäuscht“, sagte Worms. Als Konsequenz forderte er die sofortige Entlassung von Innenminister Schnoor.
Nach Darstellung der CDU haben sich die beiden Geiseln aus der Gladbecker Bank während des Aufenthaltes in Bremen -Vegesack zeitweise alleine in dem Fluchtwagen befunden, ohne daß die Polizei einen Zugriff auf die Geiselgangster gewagt hätte. Während die beiden Geiselnehmer Marion Löblich und Hans-Jürgen Rösner einen Einkaufsbummel machten, habe auch der dritte Geiselgangster Dieter Degowski in Bremen -Vegesack das Auto verlassen und sich „mehrere hundert Meter entfernt“, um auszutreten. In Bremen-Vegesack war allein die nordrhein-westfälische Polizei für die Verfolgung der Geiselnehmer zuständig gewesen.
Worms warf dem Polizeiinspektor und zuständigen Einsatzleiter vor, die Vorgänge in Bremen-Vegesack bei der Anhörung in den Düsseldorfer Parlamentsausschüssen „unvollständig und im entscheidenen Punkt verfälscht wiedergegeben“ zu haben. Bereits der Verfolgungsführer habe Kenntnis davon haben müssen, daß sich Degowski „einige Meter vom Fahrzeug entfernt“ hatte. Er habe aber weder am ersten noch am zweiten Tage seiner Anhörung vor dem Innen- und Rechtsausschuß des Landtags hierüber Angaben gemacht. Obwohl sich Einsatzleiter Friedhelm Meise bei seinen Ausführungen vor dem Ausschuß ausdrücklich auf das Protokoll der Vernehmung des gekidnappten Bankangestellten Reinhold Alles bezogen habe, habe er diesen gravierenden Sachverhalt ebenfalls unterschlagen.
Innenminister Schnoor trage die politische Verantwortung dafür, daß dem Parlament von der Polizeiführung die Unwahrheit gesagt worden sei und seine Polizei die Zugriffsmöglichkeit in Bremen-Vegesack verschlafen habe, sagte Worms. Er forderte Ministerpräsident Johannes Rau (SPD), der sich bislang uneingeschränkt vor seinen Innenminister gestellt hatte, auf, Schnoor „sofort zu entlassen“.
In Düsseldorf wurde am Montag nicht mehr ausgeschlossen, daß Schnoor aufgrund der neuen Sachlage tatsächlich zurücktreten muß. Schnoor-Sprecher Reinhard Schmidt-Küntzel erklärte, daß seinem Minister die von der CDU-Opposition präsentierten Fakten zur Situation in Bremen-Vegesack nicht bekannt gewesen seien. Er könne deshalb auch nicht sagen, ob die Darstellung der CDU tatsächlich zutreffend sei. Dies müsse nun zunächst überprüft werden.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen