Berliner unterschiedlich interessiert am Bildungspaket: Politik ist dümmer als Eltern

Im Nordwesten der Stadt beantragen besonders viele Eltern das Bildungspaket, im Südosten besonders wenig. Hier ist politische Ursachenforschung gefragt statt Elternbashing.

Das Bildungspaket ist kein Renner. Dieses Fazit kann man, rund vier Monate nach Einführung der Zusatzleistungen für bedürftige Kinder durch das Familienministerium, ganz ohne Polemik ziehen. Polemik ist beim Thema Kinderarmut ohnehin fehl am Platz - schließlich haben bereits die Vereinten Nationen Deutschland wegen der mangelnden Teilhabe von Hartz-IV-Empfängern gerügt.

Wenn jetzt eine Senatsanfrage ans Licht bringt, dass im Nordwesten der Stadt besonders viele Eltern das Bildungspaket beantragt haben und im Südosten besonders wenig, wäre das ein Anlass, politische Ursachenforschung zu betreiben: Informieren die Jobcenter und Jugendämter in Treptow besser über die neuen Leistungen als die in Spandau? Oder liegt es an Sprachkenntnissen der Eltern, dass das Paket in manchen Gegenden kaum beantragt wird? Da die Auswertung des Senats auch zeigt, dass Asylbewerber das Paket besonders selten abrufen, ist die Kombination aus beidem wahrscheinlich.

Politisch hilflos

Jetzt auf die Dummheit der Eltern abzuheben, wie es der sozialpolitische CDU-Sprecher Hoffmann am Wochenende tat, ist eine Demonstration politischer Hilflosigkeit. Wieso sollten Tempelhofer intelligenter sein als Reinickendorfer? Eher zeugt es von Dummheit, wenn die amtierende Sozialsenatorin Bluhm (Linke) sagt, man werde auf keinen Fall eine Informationskampagne starten. Klingt, als gönne der Senat der Sozialministerin keinen Erfolg. Für die Berliner Kinder, ob aus Spandau oder Treptow, ist das eine schlechte Nachricht.

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Jahrgang 1974, geboren in Wasserburg am Inn, schreibt seit 2005 für die taz über Kultur- und Gesellschaftsthemen. Von 2007 bis 2015 war sie Redakteurin im Berlin-Teil. Seit Januar 2016 leitet sie das Meinungsressort der taz. Im März erschien ihr Buch "Der ganz normale Missbrauch. Wie sich sexuelle Gewalt gegen Kinder bekämpfen lässt" im CH.Links Verlag.

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