Berliner Szene: Kleiderfrage
Für die Ewigkeit
Etwas ist merkwürdig an diesem Morgen. Es gibt mit Fup gar keinen Streit in der Kleiderfrage. Fup würde am liebsten immer ein Trikot von Borussia Dortmund anziehen. Und seine BVB-Turnhose, die ihm bis zu den Waden reicht. Darf er aber nicht. Nur auf dem Fußballplatz. Das ist ein Gesetz, das extra für Fup erlassen wurde.
Fup ist merkwürdig zufrieden. Auf dem Weg zur Kita halten wir an einer roten Ampel, an der ein sechsjähriger Junge ohne Eltern steht. Jedenfalls sehe ich keine. Fup fragt ihn: „Wo ist deine Mutter?“ „Ich hab keine Mutter“, sagt das Kind. Nanu, denke ich.
Fup geht in die Kita und ich zu Monsieur Ibrahim, wo mir bei meiner Zeitungslektüre ein weiterer lustiger Dialog auffällt, der aus dem neuen Terminator-Film stammt, für den Arnold Schwarzenegger extra reanimiert wurde: „Entschuldigen Sie, ich glaube, ich soll oder will Ihnen bei irgendwas helfen, aber ich weiß nicht, was hier vorgeht, und fürchte, dass es grauenhaft kompliziert ist. Liege ich da falsch?“ – „Wir wollen das Weltende verhindern.“ – „Ach so. Damit kann ich umgehen.“ Ich finde, dieser Dialog hat es jetzt schon verdient, in die Filmgeschichte einzugehen.
Neben mir setzt sich ein junges Pärchen auf die Bank und unterhält sich. Und da wir in Kreuzberg sind, geht es um Kinder. Sie sagt: „Wir brauchen noch ein zweites Kind, damit es sich lohnt. Die Sachen, die man nachkaufen muss, sind einfach zu teuer.“ Als Zweitgeborener bin ich not amused, denn ich musste auch immer alles „auftragen“, wie meine Mutter das nannte. Als ich später Fup von der Kita abhole, trägt er ein BVB-Trikot und eine BVB-Trainingshose. Er hat sie morgens heimlich unter seine Hose und sein T-Shirt angezogen. Das klappt nur ein Mal.
Klaus Bittermann
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