Berliner Bühne mit Dach: Die No-Name-Arena

Wenn am Mittwoch die O2-World eröffnet wird, bekommt Berlin eine Architektur ohne Architekten. Gegner des Projekts haben zur Eröffnungsgala Proteste angekündigt - auch in Abendgarderobe.

Hinten Berlin, vorne eine Halle Bild: dpa

Berlins neue Arena für Sportveranstaltungen, Konzerte und andere Megaevents - die sogenannte O2-World an der Mühlenstraße - wird heute eröffnet. Pikant an der Einweihung des 17.000 Zuschauer fassenden Bauwerks ist, dass der Investor, die amerikanische Anschutz Entertainment Group, keinen Architekten geschweige denn ein Team des Bauwerks dabei vorstellen wird.

In der Stadt, in der über Architektur und Architekten öffentlich und mit oft harten Bandagen gestritten wird, meint Anschutz ohne Architekten und ohne eine eigene Handschrift auskommen zu können. Weder die Pressestelle noch die Mitarbeiter des Konzerns wollten sich gestern dazu äußern, dass Berlins neue O2-World ohne die Bekanntgabe eines Büros und dessen Arbeit der Öffentlichkeit übergeben wird.

Die Bundesstiftung Baukultur, die Architektenkammer und der Berliner Bund Deutscher Architekten (BDA) haben in der Vergangenheit immer wieder bei Bauherren angemahnt, auf Qualität, "Baukultur" und die Autorenschaft von Architekten zu achten. Eine Mitarbeiterin des Potsdamer Ministeriums für Raumplanung sagte der taz, es komme leider immer wieder vor, dass Architekten - auch großer Bauvorhaben - nicht genannt würden. Dafür sei Anschutz nun wohl auch ein Beispiel.

Ungewöhnlich werden möglicherweise auch andere Abschnitte der Eröffnungsfeier. Zur Gala am Mittwochabend erwartet Detlef Kornett, Europa-Chef des Anschutz-Unternehmens, neben den rund 1.000 geladenen Gästen auch Gegner der Halle. Diese haben das Bauwerk als "monströs" kritisiert und Proteste angekündigt. Dies kommentierte Anschutz-Pressesprecher Moritz Hillebrand mit den Worten: "Wir gehen davon aus, dass wir unsere Eröffnungsfeier durchführen werden."

Die Initiative "Mediaspree versenken" hat für Mittwochabend zu einer Demonstration vom Kottbusser Tor zur O2-Halle aufgerufen. Eine Kundgebung direkt vor der Halle wurde untersagt und soll 300 Meter entfernt am Rummelsburger Platz durchgeführt werden. Gegen diese Auflage versuchen sich die Demonstranten den Angaben nach rechtlich zu wehren.

Die sogenannte Hedonistische Internationale hat unterdessen 500 Aktivisten dazu aufgerufen, in schicker Abendgarderobe zu versuchen, sich unter die geladenen Gäste zu mischen. Welcher Art die Aktionen dann sein würden, blieb geheim.

Nach Angaben der Polizei wurde bereits ein Anschlag auf die O2-World verübt. Unbekannte hatten in der Nacht zu Dienstag in Moabit an einem O2-Handyshop Schaufensterscheiben durch Steinwürfe beschädigt. Eine weitere wurde nach Polizeiangaben mit schwarzer Farbe beschmiert. Vor dem Laden fanden die Beamten Flugblätter mit politischem Inhalt. Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

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