Berliner Bäder: „Die Party fällt dieses Jahr aus“

Für die Prinzenbad-Cafeteria war die Sommersaison mau. Im Vergleich zu anderen hätten sie aber noch Glück gehabt, sagen die Betreiber Daggi und Matze.

Sonnenhungrige im Prinzenbad

So war es dieses Jahr nicht: Terrasse im Prinzenbad im Sommer 2019 Foto: dpa

taz: Daggi und Matze, wie war die Sommersaison für eure Cafeteria im Prinzenbad Kreuzberg?

Matze: Da wir das meistbesuchte Bad in Berlin sind, hatten wir noch Glück. Es hat uns nicht ganz so schlimm getroffen wie die Gastronomiebetriebe in anderen Sommerbädern. Ich habe gehört, dass viele Insolvenz angemeldet haben.

Das heißt, trotz coronabedingter Einlassbeschränkungen seid ihr auf der sicheren Seite?

Matze: Leider nicht. Das ist alles Horror. In Zahlen ausgedrückt hatten wir ungefähr 28 Prozent des Umsatzes der letzten zwei Jahre. Wahrscheinlich haben wir noch nicht mal unsere Kosten reinbekommen, abgerechnet wird aber erst zum Schluss.

Dagmar Keuenhof, 62, genannt Daggi, und Mat­thias Kutscha, 41, Matze genannt, sind seit 2008 Pächter der Cafeteria des Prinzenbades. Beide arbeiten dort aber schon viel länger.

Ihr könntet bei den Berliner Bäder Betrieben beantragen, euch die Miete zu stunden.

Matze: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das muss man ja auch wieder reinholen. Es kann sein, dass das unsere letzte Saison war.

Daggi: Natürlich kann man mit Krediten die Öffnung der nächsten Saison finanzieren, aber ich werde nächsten Monat 63. Würde es noch ein Coronajahr geben, wären wir verschuldet und ich wüsste nicht, wie ich das regeln sollte.

Das Prinzenbad ohne Daggi und Matze? Kaum vorstellbar.

Matze: Das sagen viele. Aber ich sag mal so: Jeder ist ersetzbar, egal in welcher Branche und in welchem Milieu.

Daggi: Wir würden sehr gern weitermachen! Aber Matze kann nicht alles auf seine Schultern laden. Das, was er dieses Jahr geleistet hat, war schon überirdisch: 13 Stunden mit einer Maske zu arbeiten und immer gut gelaunt – allerhöchsten Respekt!

Welche Gäste habt ihr vermisst?

Matze: Wir haben eine Menge Leute vermisst. Die Älteren, die Jugendlichen, die Kinder. Ein paar vereinzelte Kinder waren mit ihren Eltern da. Auch die über 20-Jährigen haben gefehlt. Wir haben wirklich Glück, dass wir so viele Stammgäste haben.

Daggi: Ich würde mir wünschen, den älteren Menschen das Buchen leichter zu machen. Vielleicht einen Service in nahegelegenen Zeitungsläden, wo Leute auch cash Karten für das jeweilige Bad kaufen können.

Normalerweise findet am letzten Tag im Prinzenbad immer eine kleine Abschiedsfeier mit einem Buffet von euch statt. Auch am 13. September?

Matze: Wir würden gerne, aber aus Vernunftgründen auf gar keinen Fall. Beim Abschiedsfest wird ja auch gerne mal einer gezwitschert oder man umarmt sich. Am Ende ist am letzten Tag noch einer krank und dann ist das Geschrei groß. Nee, nee, die Party fällt dieses Jahr aus.

Daggi: Umso mehr wünschen wir uns, unsere Gäste im ­nächsten Jahr gesund wiederzusehen.

Was macht ihr denn in diesem Winter? Sonst verreist ihr ja immer.

Matze: Erstens: Wohin willst du derzeit denn fahren? Zweitens haben wir null Verdienst. Drittens kann es deshalb sein, dass wir dieses Jahr auch im Winter arbeiten müssen. Aber das wissen wir jetzt alles noch nicht.

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