Begriffsbestimmung : Missverständnisse
Was wollen Autonome?
Was ist der schwarze Block?
Anders als oft angenommen, ist der schwarze Block keine feste Gruppe, sondern beschreibt eine Taktik auf Demonstrationen: Durch die einheitliche dunkle Kleidung und zum Teil auch durch Vermummung können einzelne Demonstrationsteilnehmer schwerer identifiziert werden. Im schwarzen Block können sich unterschiedliche linksradikale Gruppen und Strömungen versammeln. Seit den 1990ern kopieren außerdem auch Rechtsradikale, sogenannte autonome Nationalisten, diese Taktik.
Wer sind die Autonomen?
Auch Autonome sind keine feste Gruppierung, vielmehr bezeichnet der Begriff verschiedene Gruppen und Personen. Die politische Strömung der Autonomen entstand Ende der 1970er-Jahre, auch in Abgrenzung zu autoritär organisierten, sowjetmarxistisch oder maoistisch orientierten Gruppen. Selbstbestimmung, Selbstorganisation und Unabhängigkeit sind wichtige Begriffe aller Autonomen. Darüber hinaus variiert die politische Ausrichtung der Gruppen und Personen in diesem heterogenen Spektrum aber und kann zum Beispiel stärker oder schwächer anarchistisch oder kommunistisch geprägt sein.
Setzen alle Autonomen auf Gewalt?
Das staatliche Gewaltmonopol lehnen Autonome ab, was aber noch lange nicht heißt, dass sie selbst Gewalt ausüben müssen. Militanz ist in der autonomen Szene aber ein wichtiges Konzept. Es wird davon ausgegangen, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse gewaltvoll sind und deswegen auch mit Gewalt bekämpft werden dürfen. Militanz soll dabei aber kein Selbstzweck oder reines Ritual sein.
Und was sind Insurrektionalisten?
Eine Unterströmung anarchistischer Autonomer sind die Insurrektionalisten, deren besonders in Frankreich vertretene aktuelle Ausprägung einer breiteren Öffentlichkeit durch den 2007 veröffentlichten Essay „Der kommende Aufstand“ bekannt wurde, der auch in Deutschland viel rezipiert wurde. Insurrektionalisten lehnen im Gegensatz zu den meisten anderen linksradikalen und auch autonomen Gruppen jede Form von verbindlicher Organisierung ab. Militanz hat bei ihnen außerdem eine weitaus größere Bedeutung als bei anderen linksradikalen Strömungen: Für Insurrektionalisten sind gewalttätige Ausschreitungen kein Mittel zum Zweck, sondern können als Unterbrechung der kapitalistischen Ordnung selbst zum Zweck werden. Aus anderen linksradikalen Spektren wird der Insurrektionalismus deswegen stark kritisiert, weil er keine gesellschaftliche Perspektive über den Aufstand hinaus aufzeigen kann.
Malene Gürgen
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