Bankenkrise: Größte US-Sparkasse macht dicht

Die Washington Mutual in den USA kollabiert. Notverkauf an J. P. Morgan Chase verhindert den völligen Zusammenbruch. Der Fall zeigt, wie dringend ein US-Rettungspaket ist.

Notverkauf: Die größte Sparkasse der USA hat einen neuen Eigentümer. Bild: reuters

WASHINGTON taz Ein weiterer schwarzer Tag für den US-Finanzmarkt: Auf den Kollaps des größten US-Investmenthauses Lehman Brothers vergangene Woche folgte am Donnerstag nun auch noch die Implosion des größten US-Bankhauses. Diesmal traf es die amerikanische Sparkasse Washington Mutual, die ebenfalls unter den Lasten der Kreditkrise zusammengebrochen ist. Die US-Sparkassenaufsicht OTS, die Washington Mutual kurzfristig schloss, verkaufte die Bank innerhalb von Stunden dann für 1,9 Milliarden US-Dollar an den Finanzkonzern J. P. Morgan Chase, der die Einlagen der Bank übernahm.

Inmitten des politischen Gerangels um das staatliche, 700 Milliarden US-Dollar teure Rettungspaket hat die Finanzkrise damit einen neuen dramatischen Höhepunkt erreicht. Unterdessen ging auch der mit Spannung erwartete Krisengipfel von US-Präsident George W. Bush mit den beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain ohne Ergebnis aus.

Gleiches Resultat Stunden später dann auch im Kapitol: Obgleich am Nachmittag Demokraten eine Einigung verkündet hatten, dementierten Republikaner eine Einigung. Mit leeren Händen und sich gegenseitig wütend für das Scheitern verantwortlich machend, gingen die Senatoren und Ausschussmitglieder in der Nacht zum Freitag dann auseinander. Ein neuer Anlauf war für Freitag nach Redaktionsschluss geplant.

In den seit vergangenem Wochenende laufenden Beratungen zwischen der US-Regierung und den beiden Häusern des US-Kongresses verlangen sowohl Demokraten als auch die Parteigänger des Präsidenten Änderungen. Laut US-Medienberichten habe die Bush-Regierung, die zunächst keine Mitspracherechte bei der Rettungsaktion einräumen wollte, inzwischen bei verschiedenen Punkten nachgegeben. Dazu gehört auch, dass die Regierung Anteile an den geretteten Wall-Street-Firmen übernehmen und die Gehälter und Bonuszahlungen für deren Topmanagement begrenzen soll.

Demokratische Senatoren fordern zudem stärkere Kontrollmechanismen und eine Laufzeit von nur einem statt zwei Jahren für das kostspielige Sanierungsprogramm. Offen bleibt, inwieweit neben faulen Hypothekenkrediten etwa auch ausstehende Forderungen auf Kreditkarten oder Auto-Darlehen einbezogen werden sollen. Der größte Widerstand kam jedoch von Republikanern. Hardliner lehnen das von Bush, Finanzminister Henry Paulson und Zentralbankchef Ben Bernanke vorgeschlagene Hilfsprogramm ab, weil der Eingriff der Regierung in den Markt "unamerikanisch" sei.

Der Untergang von Washington Mutual ist ein weiterer Warnruf, wie dringend ein Rettungsplan der US-Regierung ist. WaMu war einer der führenden Anbieter von Hypothekendarlehen in den USA. Das Finanzinstitut musste in den vergangenen Monaten in großem Umfang faule Darlehen wertberichtigen und erlitt Milliardenverluste. Die US-Sparkasse beschäftigte zur Jahresmitte über 43.000 Mitarbeiter in mehr als 2.200 Zweigstellen. WaMu hatte zuletzt eine Bilanzsumme von mehr als 300 Milliarden Dollar. Die Einlagen der Kunden betrugen rund 190 Milliarden Dollar. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) betonte, dass WaMu nicht mit deutschen Sparkassen vergleichbar sei. DSGV-Präsident Heinrich Haasis meint, in Deutschland müsse sich "kein Anleger Sorgen um Einlagen bei seiner Sparkasse machen".

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de