Bachelor & Master: Uni-Reform verprellt Studierende

Nach Einführung der Bachelor-Studiengänge ist die Zahl der Abbrüche gestiegen. So lautet das Ergebnis einer Untersuchung der Freien Universität, die unter Verschluss gehalten wird. Bessere Betreuung der Studis gefordert.

Studierende am Boden Bild: AP

Studienabbrüche und Langzeitstudierende sollten eigentlich der Vergangenheit angehören. Das zumindest erwartete das Präsidium der Freien Universität (FU) von der Einführung der Bachelorstudiengänge zum Wintersemester 2004/2005. Jetzt hat der dem Präsidium unterstehende Arbeitsbereich Controlling dies überprüft - mit ernüchterndem Ergebnis. "Studierende geben in größeren Umfang als bisher ihr Studium auf", heißt es in der Untersuchung vom Februar 2007, die der taz vorliegt, bislang aber nicht von der Uni veröffentlicht wurde.

Dies ist nicht die einzige Hiobsbotschaft für FU-Präsident Dieter Lenzen, ein erklärter Befürworter der Uni-Reformen. Auch die Zahl der BewerberInnen für einen Studienplatz in einem höheren Semester habe sich verringert. "Studierende sind entweder nicht daran interessiert, in ein höheres Fachsemester in den Bachelorstudiengängen an der FU zu wechseln, oder nicht in der Lage, entsprechende Leistungsnachweise, die für den Zugang in ein höheres Fachsemester notwendig sind, vorzulegen", so die Studie.

Untersucht wurde dafür der Studienerfolg in den Bachelor-Studiengängen der Fachbereiche Biologie, Chemie, Pharmazie, Erziehungswissenschaften, Psychologie, Philosophie sowie Geschichts- und Kulturwissenschaften. Hohe Abgänge wurden im geistes- und im naturwissenschaftlichen Bereich festgestellt. So diagnostiziert die Studie beim lehramtsbezogenen Biologiestudium einen "außerordentlich hohen Schwund", beim lehramtsbezogenen Chemiestudium sei dieser "inakzeptabel", ebenso bei Philosophie. Dort brach über die Hälfte der KommilitonInnen das Studium ab.

Auch von einer kürzeren Studiendauer kann laut der Untersuchung nicht die Rede sein. Danach darf nur von 30 Prozent der Studierenden ein Abschluss in der Regelstudienzeit erwartet werden. 38 Prozent wird mindestens ein Jahr mehr, ein weiteres Drittel noch länger für den Abschluss benötigen. Für den Fachbereich Philosophie wird prognostiziert, dass lediglich 14 Prozent der KommilitonInnen "mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Examen nach nur drei Jahren abschließen können".

Laut der Studie sei eine bessere Betreuung von StudienanfängerInnen nötig. Außerdem sollen die Studierenden nach Möglichkeit die Zweitfächer ihrer Wahl belegen dürfen. Auch Reformen bei der oft schwierigen Kombination der Studienmodule werden angemahnt. Diese Module, die die bisherigen Haupt- oder Nebenfächer ersetzen, stehen schon lange in der Kritik des FU-AStA.

"Mich überraschen die Ergebnisse nicht", kommentierte denn auch dessen Referentin für Hochschulpolitik, Claudia Wrobel, die Ergebnisse der ihr nur in Auszügen bekannten Studie. Schließlich habe nach der Einführung der Bachelorstudiengänge die Verschulung des Studiums zugenommen; der Verwaltungsaufwand habe sich erhöht.

Wrobel fordert, dass die Studie endlich veröffentlicht wird, damit über die Ergebnisse diskutiert werden könne. Sie schließt sich damit der Kritik des studentischen Mitglieds im Institutsrat der Philosophiefakultät, Mathias Barthelt, an. Er befürchtet, dass der Bericht wegen seiner der FU-Leitung nicht genehmen Ergebnisse in den Giftschrank komme. Vom FU-Präsidium war keine Stellungnahme zu der Studie zu erhalten.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de