: BVG wird ab 1. Januar teurer
■ Senat beschloß neue Tarife/ Im Osten Anhebung auf 80 Prozent der Westtarife
Berlin. Der Senat hat gestern eine Anhebung der Tarife für die BVG beschlossen. Vom 1. Januar 1993 an wird ein Fahrschein (Regeltarif) in West-Berlin 3,20 Mark statt wie bisher 3,00 Mark kosten. In Ost-Berlin verteuert sich die gleiche Fahrkarte von bisher 1,80 Mark auf 2,80 Mark. Ziel sei es gewesen, den BVG-Tarif in den östlichen Bezirken auf 80 Prozent des West-Niveaus anzuheben, erläuterte Staatssekretär Ingo Schmitt von der Senatsverwaltung für Verkehr und Betriebe. Einheitliche BVG-Tarife für ganz Berlin sollen zum Jahresbeginn 1994 in Kraft treten.
Trotz der in Ost-Berlin erheblichen Fahrpreis-Steigerungen sprach Schmitt von einer »maßvollen Anhebung der Tarife«, die im Durchschnitt bei fünf Prozent liege. Mit Rücksichtnahme auf die soziale Verantwortung seien zudem nicht alle Einzeltarife im gleichen Maße angehoben worden. So lägen künftig in Ost-Berlin die BVG-Preise für Schüler bei 71,4 Prozent, für Senioren bei 54,2 Prozent und für Auszubildende bei 76,2 Prozent des Westniveaus. Auch in West-Berlin seien die sogenannten Sozialtarife wie das Schüler- und das Arbeitslosenticket sowie die Sozialkarte unterproportional oder gar nicht angehoben worden.
Die Fahrpreisanhebung soll der BVG im kommenden Jahr Mehreinnahmen von 78 Millionen Mark bescheren. Im laufenden Jahr liegen die Verluste des Verkehrs-Unternehmens bei 1,4 Milliarden Mark. Die Kosten werden lediglich zu etwa 27 Prozent durch Einnahmen gedeckt. Damit sei man vom Kostendeckungsgrad des Nahverkehrs anderer deutscher Großstädte weit entfernt, erklärte Schmitt.
Um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen, sollen in Berlin kurzfristig »Firmen-Tickets« eingeführt werden, kündigte der Verkehrs-Staatssekretär an. Diese Tickets sollen von Betrieben mit mehr als 100 Beschäftigten jeweils für die gesamte Belegschaft erworben werden. Ihr Preis werde zehn Prozent unter dem der Umweltkarte liegen, so Schmitt.
Die Fraktionen von FDP und Bündnis 90/Grüne kritisierten die Tariferhöhungen. Die Fahrpreiserhöhungen seien »unausgewogen und nicht ausreichend begründet«, erklärte der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Axel Kammholz. Für das Bündnis 90/ Grüne kritisierte der verkehrspolitische Sprecher Michael Cramer die »Zementierung« der Tarifunterschiede zwischen Ost- und West-Berlin. dpa
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