piwik no script img

BGH läßt drei RAF-Gefangene in Haft

■ Dellwo/Krabbe/Taufer: Beschwerde abgelehnt

Karlsruhe (taz/dpa) – Die zu lebenslänglich verurteilten RAF-Gefangenen Karl-Heinz Dellwo, Lutz Taufer und Hanna Else Krabbe werden vorerst nicht freigelassen. Gestern lehnte der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) ihre Beschwerden gegen eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf ab. Das Gericht hatte die Strafaussetzung zur Bewährung zum zweiten Mal abgelehnt, obwohl alle drei schon mehr als 15 Jahre verbüßt hatten. Der Grund: Sie sind nicht bereit, sich von einem Psychiater untersuchen zu lassen und haben lediglich der Begutachtung durch einen Sozialwissenschaftler zugestimmt.

Die drei, die wegen des Überfalls auf die deutsche Botschaft in Stockholm 1975 verurteilt wurden, argumentieren, eine psychiatrische Untersuchung verletze sie als geistig gesunde politische Überzeugungstäter in ihrer Menschenwürde. Der Bundesgerichtshof dagegen vertritt die Ansicht, es müsse geprüft werden, ob die Hungerstreiks der Verurteilten zu Hirnschädigungen und anderen Beeinträchtigungen geführt haben. Es müsse geklärt werden, ob gegebenenfalls psychische Auffälligkeiten trotz Gewaltverzichts einen erneuten Anschluß der Verurteilten an politisch motivierte Gewalttäter begünstigen könnten.

„Solange die Zweifel nicht ausgeräumt werden, ob die Verurteilten den bewaffneten Kampf gegen die Bundesrepublik Deutschland endgültig und unabhängig von der jeweiligen politischen Situation aufgegeben haben, kommt jedenfalls eine bedingte Entlassung nicht in Betracht.“ Der BGH wies jedoch darauf hin, daß in einem neuen, jederzeit möglichen Aussetzungsverfahren ein psychiatrischer Sachverständiger sein Gutachten notfalls auch auf die vorliegenden Erkenntnisse über die Verurteilten und deren Erklärungen stützen könne.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen